Sumatra-Tiger verstorben

Vorerkrankte Tiger im Tierpark Berlin eingeschläfert

    Als im Sommer 2018 vier Tiger einer vom Aussterben bedrohten Tigerunterart zur Welt kamen, herrschte zunächst Freude im Tierpark Berlin. Nachdem die jungen Tiger sich zunächst normal entwickelten, stellen Tierärzt*innen Ende 2019 jedoch eine Kniefehlstellung bei allen vier Tigern fest, welche zu Problemen im Bewegungsablauf führte. Seitdem standen die vier jungen Sumatra-Tiger unter tierärztlicher Beobachtung. Vor wenigen Monaten verschlechterte sich der Zustand zweier Tiere so massiv, dass sich der Tierpark in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt und Tierärzten*innen des Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) entschied, die beiden Tiger einzuschläfern. Nachdem sich auch der Gesundheitszustand der verbliebenen Tiger in den letzten Tagen rapide verschlechterte, mussten auch diese Tiere von ihrem Leiden erlöst werden.

    „Der Tierpark Berlin engagiert sich schon seit vielen Jahrzehnten für den Erhalt des hochbedrohten Sumatra-Tigers. Deshalb ist es ein besonders trauriger Tag für uns. Ganz abgesehen davon, dass diese Tierart akut vom Aussterben bedroht ist, waren uns die Tiger als Individuen sehr ans Herz gewachsen“, erklärt der Zoologische Leiter von Zoo und Tierpark Berlin, Christian Kern. „Seitdem wir von der Erkrankung wissen, haben wir uns mit nationalen und internationalen Wissenschaftler*innen über Gesundheitszustand, Prognose und Therapie ausgetauscht. Letztendlich haben wir nun eine Phase erreicht, an der wir für die beiden Tiger nichts mehr tun konnten, außer sie von ihrem Leiden zu erlösen“, ergänzt der Biologe. Sumatra-Tiger gehören zu den seltensten Katzen der Erde, im natürlichen Lebensraum gibt es nach Schätzungen nur noch weniger als 400 Tiere dieser Art. In Zoologischen Einrichtungen gehaltene Sumatra-Tiger gelten daher als letzte Rettung für den Erhalt dieser Tierart. 

    Bereits im Jahr 2020 konnten Forschende in einer Untersuchung die sehr wahrscheinliche Ursache für das beobachtete Krankheitsbild der vier Tiger feststellen: Eine genetische Vorbelastung des mittlerweile verstorbenen Vaters hat vermutlich zur Erkrankung der vier Tiger geführt, die sich neben der anfänglich festgestellten Kniefehlstellung in weiteren diversen Fehlbildungen zeigte. Seit der Diagnose wurde der Zustand der vier Tiger intensiv beobachtet, vor allem mit Augenmerk auf eventuell auftretende Schmerzen. Bei einer Untersuchung im Leibniz-IZW mussten die Tierärzt*innen feststellen, dass sich der Gesundheitszustand des männlichen Tigers massiv verschlechtert hatte. „Neben der Problematik im Knie haben wir festgestellt, dass eine Entzündung im Kiefer trotz vorheriger Behandlung weiter vorangeschritten war“, erklärt Tierpark-Tierarzt Dr. Andreas Pauly. „Es ist anzunehmen, dass er mit starken Schmerzen zu kämpfen hatte“, ergänzt Pauly. Alarmiert durch den deutlich verschlechterten Zustand des Tigers wurde im Anschluss auch das letzte verbliebene Tier - Tigerin Seri – im CT untersucht. Das Untersuchungsergebnis zeigte ein ernüchterndes Krankheitsbild: Neben der Kniefehlstellung konnte bei der Tigerin nun auch eine Nierenerkrankung festgestellt werden. „Die Erkrankung ist nicht heilbar. Mit Hinblick auf den Gesamtzustand des Tieres war eine Therapie hier leider keine Option mehr“, erklärt Leibniz-IZW Pathologin Dr. Claudia Szentiks. 

    Hintergrund 

    Als Tigermutter Mayang im Sommer 2018 vier Jungtiere zur Welt brachte, war die Euphorie zunächst groß. Die Freude wurde jedoch getrübt, als sich bei den Jungtieren Auffälligkeiten im Laufverhalten zeigten. Ende 2019 konnte nach CT-Untersuchungen im benachbarten Leibniz-IZW bestätigt werden, dass die vier jungen Sumatra-Tiger eine Kniefehlstellung und damit einhergehende Knorpelschäden aufwiesen. Diese führten dazu, dass die jungen Tiger beim Laufen mit ihren Hinterbeinen einknicken. Trotz unterschiedlicher Therapieansätze konnte keine maßgebliche Verbesserung bewirkt werden. Nach der Diagnose der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Vierlinge wurde auch Tigermutter Mayang (11) im vergangenen Jahr klinisch und genetisch untersucht. Bei ihr konnten – anders als bei Vater Harfan - glücklicherweise keine Anzeichen auf eine erbliche Belastung festgestellt werden. Umfangreichen Analysen am Leibniz-IZW und der Tierärztliche Hochschule Hannover ließen darauf schließen, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Jungtiere auf eine Vererbung des im September 2020 verstorbene Tiger-Vaters Harfan zurückzuführen sind. Nach dem Tod von Oskar und Seri leben im Tierpark Berlin nun noch Tigerin Mayang – die Mutter der nun verstorbenen Tiere – sowie der männliche Tiger Jae Jae. 

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