Ein Hoch auf die Vielfalt

Diversität bedeutet Vielfalt und Vielfältigkeit - die fantastische Welt der Tiere lebt uns dies in den aufregendsten Formen und Farben vor.

Die Tierwelt treibt es bunt - und das ist gut so!

Metallisch glitzernde Fischflossen, quietschgrüne Schuppen, leuchtend pink-gelb-blaues Gefieder, getupft, gestreift oder geflecktes Fell – der Einfallsreichtum der Natur ist scheinbar grenzenlos. Wie kann diese Artenvielfalt erhalten bleiben und vor allem - wie erhalten die Tierarten sich selbst? Wer steht auf wen? Und geht es bei sexueller Aktivität immer nur um Fortpflanzung?

Jenseits von Bienchen und Blümchen

Der stellvertretende Leiter der Zooschule, Silvan Pfefferkorn, bringt auf über 100 verschiedenen Führungen im Zoo Berlin Besucher*innen von alt bis jung die Faszination der Tierwelt näher und geht dabei auch auf die Reproduktionsstrategien der tierischen Bewohner ein. Wir haben mit ihm über das abwechslungsreiche Liebesleben im Tierreich gesprochen.

Was unterscheidet unser menschliches Liebesleben von dem der Tiere?

Aus rein biologischer Sicht ist auch der Mensch ein Tier und die Unterschiede daher manchmal gar nicht so groß. Nicht nur Wissenschaftler*innen suchen nach dem Tier im Menschen oder dem Menschlichen im Tier. Bei der Suche nach dem Tier im Menschen kann man die Perspektive auch umdrehen, und nach dem Menschlichen im Tier suchen. Auch den „Laien“ fällt es nicht schwer, menschliche Eigenschaften auf andere Lebewesen zu projizieren. Nur zu gern wollen wir verstehen, wie Tiere denken und fühlen. Und weil uns zum Verstehen nun einmal keine anderen Kategorien zur Verfügung stehen, als die, die wir von uns selbst kennen, übertragen wir unsere eigene Wahrnehmung und Denkweise sehr gern auch auf unsere Mitgeschöpfe. So eine Vermenschlichung von Tieren scheint also irgendwie nachvollziehbar, sehe ich persönlich aber auch nicht unkritisch. Auch andersherum sollte man vorsichtig sein, das tierische Verhalten, welches wir beobachten und analysieren nicht automatisch eins zu eins auf Menschen zu übertragen und zu vergleichen. Es gibt laufend neue Erkenntnisse aus der Forschung, die die Unterscheidungskriterien zwischen Mensch und Tier, wie Kultur, Tradition oder Abstraktionsfähigkeit an der einen oder anderen Stelle ins Wanken bringen. Doch es gibt auch pragmatische Gründe, die nicht immer sehr stringente Trennungslinie zu ziehen und aufrecht zu erhalten. Eine der Eigenschaften, die uns gerade in Bezug auf das Sexualverhalten vermutlich am stärksten unterscheidet, sind die unterschiedlichen Moralvorstellungen. Was gut und schlecht, richtig und falsch ist, grenzt uns Menschen je nach Umfeld mitunter sehr stark in unserer individuellen Entfaltungsmöglichkeit ein – auch in Bezug auf unser Liebesleben. Für Tiere scheint das hingegen kein limitierender Faktor zu sein. Denn die Fortpflanzungsstrategien im Tierreich sind so unterschiedlich wie die Spezies, die sie ausüben. Es gibt Tiere, die ein Leben lang mit ihrem Partner zusammenbleiben und sich (nur) mit diesem fortpflanzen, andere leben promiskuitiv. Bei einigen ist der sexuelle Akt sehr langwierig und aufwändig oder es geht eine Werbung voraus wie bei manchen Vogelarten, die viel Zeit und Mühe in den Bau aufwändig dekorierter Nester verwenden, um die potenzielle Partnerin zu beeindrucken. Bei anderen ist die Angelegenheit nach wenigen Sekunden vorbei.

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Beim Thema Sex im Tierreich werden zumeist Männchen und Weibchen beobachtet. Wie steht es mit gleichgeschlechtlichen Verbindungen?

Auch gleichgeschlechtliche Verhaltensweisen gibt es im Tierreich und sie sind keine Seltenheit. Sex dient nämlich auch hier nicht nur der Fortpflanzung, sondern auch, um Allianzen zu bilden, soziale Bindungen zu knüpfen oder den dominanteren Rang in der Gruppe zu festigen. Bonobos lösen Konflikte durch Sex, Delfine haben Sex scheinbar auch „nur“ aus Spaß. Bei rund 1500 Tierarten wurden bisher sexuelle Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Artgenossen nachgewiesen, darunter auch Giraffen und Pinguine. Im Jahr 2019 gab es beispielsweise ein Königspinguinpärchen im Zoo Berlin: Skipper und Ping. Die beiden Männchen haben gemeinsam ein Ei von einer Artgenossin adoptiert und ausgebrütet. Das geschieht auch im natürlichen Lebensraum der Pinguine sehr oft. Das Ei liegt dabei auf den Füßen der Tiere auf - den kalten Boden darf es nicht berühren, es würde sonst erfrieren - und darüber wird die dicke Bauchfalte gestülpt. Brutzeit ist bei Königspinguinen Teamarbeit, deshalb wechseln sich die Elterntiere ab. Die Eiübergabe ist hier der spannende Punkt, wo es schief gehen kann. Von einem Fußpaar zum anderen wird das Ei vorsichtig übergeben; Skipper und Ping haben dies mit Bravour gemeistert. Zugegeben, sie haben bereits im Vorhinein kräftig mit Steinen und Fisch geübt.

Bei den Giraffen finden 90 Prozent aller beobachteten sexuellen Aktivitäten mit Partnern des gleichen Geschlechts statt.

Gibt es noch weitere tolle Geschichten aus dem Zoo Berlin zur Liebeswelt der Tiere?

Auf jeden Fall gibt es die. In unserer Führung „Mann = Macho?“ sprechen wir über die Verteilung der Geschlechterrollen im Tierreich und ob die Männchen immer den dominanten Part bei der Partnerwahl innehaben und klären über verschiedene Fortpflanzungsstrategien und Verhaltensweisen auf - mit einem Augenzwinkern. Die Führungen können ganz einfach über die Zooschule gebucht werden und eignen sich nicht nur für den Betriebsausflug, auch ein Zoobesuch mit Freunden lässt sich mit dieser Tour aufpeppen. Die Tierwelt ist divers und das macht sie auch für mich unglaublich interessant. Es gibt bei jeder Spezies Faszinierendes zu entdecken und immer wieder überrascht die Natur mit ihren Tricks und Kniffen aufs Neue. Umso wichtiger ist es darüber zu sprechen, aufzuklären, zu informieren, denn die Artenvielfalt schwindet rapide. Mein Motto bleibt „du kannst nur schützen, was du kennst“ und dafür möchte ich mich einsetzen.

Vielfalt ist überlebenswichtig

Die biologische Vielfalt auf unserem Planeten ist groß - noch! Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge leben auf der Erde 5 - 80 Millionen Tierarten, allerdings sind bis heute nur etwa eine Million bekannt. Das Entstehen und Verschwinden ist ein normaler Prozess der Natur. Auch Tier- und Pflanzenarten kommen und gehen. Doch beides passiert eigentlich ganz, ganz langsam, über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg. Inzwischen sterben täglich aber rund 150 Arten aus. Das Problem: So viele entstehen nicht jeden Tag neu. Der Grund: Wir Menschen. Der derzeit rasant ansteigende Verlust der Biodiversität geht ganz klar auf unser Konto. Durch Zerschneidung von Lebensräumen, Überfischung der Meere, unseren unstillbaren Hunger an Ressourcen, den Klimawandel, invasive Arten, und vieles mehr. Die Artenvielfalt hat nicht nur einen ideellen Wert für uns. Ohne Artenvielfalt können auch wir auf Dauer nicht überleben. Sie hat für uns einen unmittelbaren Wert – nicht nur kulturell, sondern auch ökologisch und wirtschaftlich.

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Heute, 8. August
9:00 - 18:30 Uhr
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Am Tierpark 125, 10319 Berlin

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