Tierpark Tier-News

Zurück in die Wildnis

Bartgeier aus dem Tierpark Berlin fliegt über Andalusien.

Mittwoch, der 5. Juli 2017 in Berlin: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping erweisen zwei schwarz-weißen Neuankömmlingen im Zoo Berlin die Ehre und heißen sie in Deutschland willkommen. Etwa zur selben Zeit als der rote Vorhang aufgeht und zwei kauende Bambusbären enthüllt, wird 2.500 km weiter südlich im andalusischen Nationalpark Sierras de Cazorla eine Box geöffnet. Der Bartgeier Cleo ist am 17. März 2017 im Tierpark Berlin geschlüpft, rund vier Monate später erblickte er zum ersten Mal seine zukünftige Heimat: Das Landschaftsbild ist hier geprägt von Gebirgszügen mit engen Schluchten, Hochebenen und Pinienwäldern. Auch Steinböcke, Adler und Gänsegeier fühlen sich in dieser felsenreichen Bergregion zuhause.

Ergreifend war der Moment, als Cleo 4 Wochen später, am 6. August, zum ersten Mal ihre Flügel ausbreitete und sich von ihrem Felsen herabgleiten ließ. Die Glücksgefühle mischten sich bei Beobachtern mit Erleichterung, denn der Weg bis zu diesem großen Tag war lang und ein wenig holprig. Ende Mai trat das junge Weibchen die Reise nach Spanien an. „Geplant war die Auswilderung ursprünglich für Mitte Juni, doch kurz vorher verletzte sich der junge Vogel bei einem ersten Flugversuch am Flügel und musste ihn einige Wochen lang schonen“, berichtet Dr. Martin Kaiser, Kurator für Vögel im Tierpark Berlin. Anfang Juli wurde der Jungvogel dann zur finalen Auswilderungsstelle gebracht, musste die Aussicht jedoch einige Wochen lang noch aus einer großen Voliere betrachten, bis sein Flügel vollständig verheilt war.

Bartgeier in Andalusien

Mitte der 1940er-Jahre lebten in Andalusien noch zahlreiche Bartgeier. Im Jahr 1986 wurde durch menschliche Verfolgung dort auch der letzte Bartgeier ausgerottet. Alle Tiere, die scheinbar negative Auswirkungen auf die Jagd oder andere landwirtschaftliche Tätigkeiten hatten, wurden in Spanien als Schädling betrachtet und bekämpft, so auch die Geier. Inzwischen hat man erkannt, dass Bartgeier eine wichtige Funktion für das Ökosystem besitzen: Sie werden auch als die Hygienepolizei der Natur betrachtet.

„Seit 2006 wurden hier 50 Bartgeier ausgewildert, in ganz Europa sind es insgesamt sogar schon 270 Tiere“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. Jeder einzelne Vogel wird genauestens beobachtet und diese Mühe zahlt sich aus: 2015 brütete erstmals seit Beginn der andalusischen Wiederansiedlungen ein wildes Bartgeier-Paar.

Auswilderung von Bartgeier Lucky & Charlie 2016 in den Alpen

Im letzten Sommer haben sich die jungen Bartgeier Lucky und Charlie auf die Reise in die österreichischen Alpen gemacht - mit einer wichtigen und langfristigen Mission im Gepäck. Die beiden Bartgeier aus dem Tierpark Berlin sind Teil des internationalen Projekts zur Wiederauswilderung der Bartgeier in den Alpen. Als fliegende Artenschutz-Helden bereichern die Berliner Lucky und Charlie nun die genetische Vielfalt des internationalen Projekts.

Im Mai startet Lucky aus seiner neuen Heimat in Österreich eine Europareise, die ihn nach Slowenien, Tschechien, Belgien, Frankreich und in die Niederlande führte, wo er sich scheinbar auch die Nordsee ansah. Auch seinem Geburtsland stattete er einen Besuch ab: Nördlichste Station war in Deutschland der Harz.