Tierpark-PM

Umzug der Schwergewichte

Afrikanische Elefanten verlassen den Tierpark Berlin

© 2020 Bergzoo Halle

© 2020 Bergzoo Halle

So viel Zeit zur Vorbereitung eines Umzugs hatte die Elefanten-Tierpfleger im Tierpark noch nie! Seit Dezember 2019 hatten sie die Afrikanischen Elefanten Pori, Lilak und Kariba auf die Reise vorbereitet, coronabedingt hatten sich die Reisepläne jedoch in den Spätsommer verschoben. Gestern ist die erste Elefantendame sicher in ihrem neuen Zuhause im Bergzoo Halle angekommen. 


Behutsam spricht Mario Hammerschmidt – Revierleiter der Dickhäuter im Tierpark – mit seinem Schützling Pori (36 Jahre) und reicht der zurückhaltenden Elefantendame eine Handvoll Möhren. „Die ersten Tage im neuen Zuhause werden wir unsere Pori hier begleiten. Einerseits erleichtern wir ihr damit die Eingewöhnung, andererseits können wir unseren Kollegen hier vor Ort zeigen, auf was man speziell bei Pori achten muss“, erläutert Hammerschmidt. „Pori ist so entspannt und tolerant gegenüber ihren Artgenossen. Ich bin zuversichtlich, dass sie in ihrer neuen Herde schnell einen Platz finden wird“, ergänzt er. Elefanten leben im Matriarchat, in welchem erfahrene Kühe die aus ihren weiblichen Nachkommen bestehende Herde leiten. „Der Zoo Halle wurde nicht ohne Grund ausgewählt. Hier wird Pori mit ihrer Tochter Tana und deren Jungtieren vereint. Der erste Kontakt durch eine schützende Trennwand verlief gestern erfreulicherweise sehr harmonisch,“ erklärt der Zoologischer Leiter Christian Kern. 


Für den Maxi-Transport, immerhin bringen die drei Afrikanischen Elefantendamen insgesamt mehr als 10 t auf die Waage, ist eine gute Vorbereitung eine wichtige Voraussetzung. In wochenlangem Training wurden die Tiere auf die Situation vorbereitet, außerdem kommen speziell für den Transport von großen Exoten umgebaute Schiffscontainer mit eingebauten Wassertank, Klimaanlage und moderner Kameraüberwachung zum Einsatz. „Trotz bester Vorbereitung reist eine gesunde Portion Anspannung immer mit. Erst wenn alle Elefanten sicher in ihrem neuen Zuhause angekommen sind, kehrt auch bei uns wieder etwas mehr Ruhe ein,“ erklärt Zoo- und Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem.


Hintergrund des Umzugs ist der nahende Baustart für ein einzigartiges neues Projekt im Tierpark Berlin: Europas modernstes Elefantenhaus. „Zukünftig werden die Afrikanischen Elefanten mehr als zehnmal so viel Fläche bei uns bekommen,“ ergänzt Knieriem. Nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren werden Afrikanische Elefanten durch die große Savannenlandschaft streifen und sich mit Zebras, Antilopen und Giraffen am nahegelegenen Wasserloch einfinden. Im Zentrum der Savannenlandschaft wird das neue Elefantenhaus (Fläche: 3000 qm) stehen. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.


In Kürze werden auch die beiden Afrikanischen Elefantenkühe Lilak (48) und Kariba (14) den Tierpark verlassen und in den Opel-Zoo Kronberg ziehen. Bis zum Herbst werden die Asiatischen Elefanten rund um Leitkuh Kewa (36) in einen anderen Zoo umziehen. Nach dem Umbau werden im Tierpark Berlin nur noch Afrikanische Elefanten zu sehen sein.

Hintergrund:

Im natürlichen Lebensraum leben Elefanten stets in Familienverbänden zusammen, die jeweils von einer Leitkuh angeführt werden. Zudem bestehen hochsensible soziale Verhältnisse zwischen den einzelnen Tieren, die Freundschaften ähneln. Die moderne Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen soll die Haltung von Elefanten in Zoos in ebendiesen Sozialstrukturen ermöglichen. Gleichzeitig soll die Nachzucht der bedrohten Tiere gesichert werden. So wird der Elefanten-Bestand auf europäischer Ebene im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms (EEP) ganzheitlich betreut. Innerhalb der EEPs legen Komitees – bestehend aus Experten unterschiedlicher Zoos – neue Herdenzusammenstellungen und daraus resultierende Tier-Umzüge fest. Was sich als überaus komplexe, häufig monatelange Prozesse gestaltet, dient letztlich der naturnahen und artgerechten Haltung von Asiatischen sowie Afrikanischen Elefanten.