Tierpark-News

Rund 30 Mio. Euro für Affe, Tiger und Co.

Investitionen im Tierpark Berlin: Wie geht es voran?

Die großen Pläne für den Tierpark Berlin werden konkreter, rund 30 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren im Tierpark investiert werden.

Zukünftiges Regenwaldhaus hält zunächst Hindernisse bereit


Hinterindische Tiger streifen durchs Dickicht, Malaienbären klettern auf Naturfelsen und Sunda-Gaviale halten nach dem nächsten Fisch-Leckerbissen Ausschau. Diese Vision soll nun bald Wirklichkeit werden. Nicht erst seit gestern wird dem Umbau des denkmalgeschütz-ten Alfred-Brehm-Hauses entgegengefiebert, das historische Raubtierhaus (Baujahr: 1963) soll in ein modernes Regenwaldhaus umgebaut werden.

Bei bei den ersten bauvorbereitenden Maßnahmen kam es jedoch zu Verzögerungen: „Der Zustand des Gebäudes ist deutlich schlechter als erwartet. Zusätzlich sind Fundamente, Leitungen und Schächte fehlerhaft in den alten Bauzeichnungen dokumentiert“, erklärt Architekt und Leiter der Abteilung für Technik in Zoo und Tierpark Ingo Volmering.Erst kürzlich wurde genau dort, wo in Zukunft Malaienbären auf 600 m2 an Baumstämmen klettern und nach Insekten buddeln werden, alte Starkstromkabel mit Ölummantelung entdeckt, welche in den Plänen überhaupt nicht verzeichnet waren. Die Entsorgung ist aufwendig, zeitintensiv und ziemlich teuer: ca. 150.000 Euro kostet die Beseitigung und Neuverlegung dieses Kabels.

Mehr Platz für Tiger & Co: Beim dringend notwendigen Umbau des rund 5.300 m² großen Alfred-Brehm-Hauses stehen neben der Modernisierung der technischen Anlagen und der Verbesserungen der Arbeitsbedingungen vor allem die Haltungsbedingungen für Tiere im Vordergrund. Das seinerzeit größte Raubtierhaus wurde vom berühmten Architekten Heinz Graffunder entworfen und steht unter Denkmalschutz, der Tierpark muss mit dem Umbau des Alfred-Brehm-Hauses also auch dem historischen Erbe gerecht werden. Künftig werden die Besucher im Alfred-Brehm-Haus in die tropische Welt südostasiatischer Inseln eintauchen können und einen einzigartigen Einblick in den Lebensraum von Sumatra-Tiger, Java-Leopard und Goodfellow-Baumkänguru bekommen.

Finanziert wird der Umbau des Alfred-Brehm-Hauses aus diversen Budgets: Den größten Anteil trägt die Lottostiftung mit ca. 3,6 Mio. Euro, auch das Land beteiligt sich in Höhe von 2,2 Mio. Euro. Zudem unterstützt die Gemeinschaft der Förderer von Zoo und Tierpark Berlin das Projekt mit 475.000 Euro. „Bei so viel Fördergeld muss natürlich sorgfältig geplant werden. Aktuell bereiten wir die Bauplanungsunterlagen (BPU) vor. Noch im Herbst werden wir sie beim Senat einreichen und hoffen, dass wir zeitnah die Baugenehmigung erhalten, damit wir spätestens im Frühjahr 2018 mit dem Umbau beginnen können“, ergänzt Volmering. Sobald die Genehmigungen des Bezirks und der Denkmalschutzbehörde vorliegen, dürfen auch endlich die großen Baufahrzeuge anrollen. „Der Umbau des Alfred-Brehms-Hauses ist eines der Bauprojekte, die mir besonders am Herzen liegen. Die Anlagen müssen dringend an die Ansprüche moderner zoologischer Einrichtungen angepasst werden. Außerdem möchten wir das Thema Umweltbildung in den Fokus rücken und unsere Besucher für den Artenschutz sensibilisieren“, erläutert Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem. Derzeit rechnet der Tierpark mit einem Baubeginn im März 2018, für das Projekt werden ungefähr 6 Mio. Euro veranschlagt.

#AbenteuerArtenschutz: Eine Rallye für die ganze Familie


Am anderen Ende des Tierparks sind die Weichen in Richtung moderner Tierpark schon gestellt: Wieso sind Zoos für viele Tierarten so wichtig und was kann jeder einzelne für den Schutz bedrohter Tiere tun? Nachtblaue Wände und raumhohe Holzstämme werden die Besucher regelrecht in Entdeckerstimmung bringen – unter dem Motto #AbenteuerArtenschutz können Groß und Klein auf eine spannende Entdeckungstour gehen und einen Einblick in weltweite Artenschutzprojekte bekommen. An verschiedenen Forscherkisten können die Besucher mit allen Sinnen Interessantes entdecken und sogar durch das interaktive Zuchtbuch des Java-Leoparden blättern. Unter prüfendem Blick von Ameisenbär und Silberäffchen hat der Umbau bereits begonnen, die Eröffnung der Artenschutzausstellung im derzeitigen Affenhaus ist für Ende November geplant. Die ca. 200.000 € für den modernen Artenschutz-pfad werden zu zwei Dritteln durch GRW-Mittel finanziert. Anschließend werden die Außenanlagen neugestaltet, ab Ende 2018 dürfen sich Brüllaffen, Weißkopfsaki und Co. auf moderne, großzügige Kletterlandschaften unter blauem Himmel freuen. Dafür wurden zusätzlich Gelder aus dem Mauerfond in Höhe von 275.740 € bereitgestellt. Die Fertigstellung der Außenanlagen ist für Ende 2018 geplant.

Tapetenwechsel in der Verwaltung


Noch verweilt die Tierpark-Verwaltung, ein DDR-Systembau im Stil der späten 60er Jahre, in seinem Dornröschenschlaf unweit der Hauptstraße auf dem Wirtschaftsgelände des Tierparks. Doch auch hier gilt: Aus alt mach neu. Nachdem im Frühjahr bereits die Räumung des über 3300 m2 großen Verwaltungsgebäudes durchgeführt wurde, ist der Baubeginn für Anfang 2018 geplant. Neben einer dringend notwendigen energetischen Sanierung wird das gesamte Gebäude generalüberholt, von sanitären Anlagen bis hin zu modernen Aufenthaltsräumen für die Tierpark-Mitarbeiter. Zusätzlich bekommt das Haus eine komplett neue Fassade. Ab Ende 2018 werden der Direktor, Kuratoren, Kollegen aus Personal-, Verwaltung- und Kommunikationsabteilung gemeinsam unter einem Dach für einen reibungslosen Ablauf im Tierpark sorgen. Der Umbau wird aus Mitteln des Kommunalinvestitionsfördergesetzes mit 3 Mio. Euro gefördert.

Akuter Handlungsbedarf bei Schlangen, Fröschen und Co.


Doch nicht alle Gebäude aus vergangenen Zeiten lassen sich erhalten. Aufgrund akuten Schimmelpilz- und Schädlingsbefalls sowie einer maroden Bausubstanz ist eine Renovierung der in die Jahre gekommenen Schlangenfarm nicht mehr möglich. Die starken Regenfälle in diesem Jahr haben den Zustand des Gebäudes noch einmal so sehr verschlechtert, dass die sofortige Schließung für Besucher unumgänglich geworden ist. „Die bis zu 220 cm langen Schlangen sind zudem in viel zu kleinen Terrarien untergebracht. Nicht nur für Reptilien und andere Amphibien ist diese Situation untragbar, auch unseren Tierpflegern können wir diese Arbeitsbedingungen nicht länger zumuten“, erklärt Biologin und Zoologische Leitung des Tierpark Nadja Niemann. Die Haltung der teilweise hochgiftigen Schlangen, wie der Schwarzen Mamba, ist sehr anspruchsvoll. In dem baufälligen Gebäude ist jedoch noch nicht einmal eine individuelle Temperaturregelung in den Terrarien möglich.

Ursprünglich diente die 1956 eröffnete Schlangenfarm der Gewinnung von Schlangengift zur Herstellung von Antiserum. Noch bis 1970 wurden die Tiere regelmäßig öffentlich „gemolken“, mittlerweile ist diese Handhabung mit hochgiftigen Tieren schon alleine aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr möglich. Die derzeitigen Bewohner der Schlangenfarm werden nun sukzessive auf Weltreise gehen und in die einzelnen Bereiche des Tierparks aufgeteilt. So wird der Tomatenfrosch zur Artenschutzausstellung in das derzeitige Affenhaus ziehen und die Mangrovennachtbaumnatter wird später im Regenwaldhaus ein neues Zuhause finden. Für die Spaltenschildkröten geht es zu Elefanten und Nashörnern ins Dickhäuterhaus und in der Tierparkschule werden Bartagame sowie Königspython aufge-nommen. Mehr als die Hälfte aller Reptilien- und Amphibienarten können im Tierpark untergebracht werden, ein Teil der Tiere wird jedoch mittelfristig an andere zoologische Einrichtungen abgegeben.

Moderne „Hütte“ für die grauen Riesen

Tierpark Berlin 2020: Die Sonne geht hinter große Felsen auf und in der Savanne erwacht das Leben, Afrikanische Elefanten nehmen ein Bad in der Schlammkuhle, Zebras zupfen an frischen Grashalmen und Giraffen recken ihre langen Hälse. Im Zuge der Umgestaltung wird sich die Umgebung des gut 30 Jahre alten Dickhäuterhauses in eine afrikanische Savannen-landschaft verwandeln. Die Planungen für einen Umbau sind für kommendes Jahr angesetzt und werden rund 20 Mio. € kosten – ab Ende 2019 sollen die ersten Bauarbeiten starten.