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Nachwuchs in Berlins Regenwald

Mehrfacher Nachwuchs im „neuen“ Alfred-Brehm-Haus im Tierpark Berlin

Genüsslich verspeist ein grau-braunes Känguru saftige Blätter im Unterholz. Plötzlich regt sich ihr Bauch unterhalb der zierlichen Vorderpfoten. Ein kleiner Kopf schaut verschlafen aus dem Beutel und beäugt skeptisch die Umgebung. Die seltenen Neuguinea-Filander im Alfred-Brehm-Haus des Tierpark Berlin haben erstmals Nachwuchs.

Die bis zu 60 cm große Känguruart zählt noch zu den Neuen im Tierpark Berlin. Erst kurz vor der Eröffnung des Regenwaldhauses zogen sie vom Zoo Planckendael in Belgien sowie dem Zoo Plzen in der Tschechische Republik an die Spree und bewohnen dort nun eine gemeinsame Anlage mit Baumkänguru Nunsi. Während Nunsi die Baumwipfel erklimmt, sind die beiden Filander Finja (1) und Fridolin (3) ausschließlich auf dem Boden unterwegs. Und das mittlerweile zu dritt. Seit vergangener Woche linst ein Jungtier aus Finjas Beutel. Wann genau es geboren wurde, steht dabei nicht ganz fest. „Die Geburtsdaten von Känguru-Jungtieren sind für uns nie genau zu bestimmen“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor und Tierarzt Dr. Andreas Knieriem. „Bei der Geburt sind Kängurus nur etwa so groß, wie eine Gummibärchen und krabbeln direkt in den Beutel der Mutter. Bis sie dann erstmals aus dem Beutel schauen, vergehen mehrere Monate bis zu einem halben Jahr.“

Der Nachwuchs trägt einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Tierart bei. Aufgrund der anhaltenden Lebensraumzerstörung stuft die Weltnaturschutzunion (IUCN) Neuguinea-Filander als gefährdete Tierart ein. Die geheimnisvollen Beuteltiere bewohnen das Unterholz der Regenwälder Neuguineas. Durch die zurückgezogene Lebensweise ist bis heute nicht viel über sie bekannt. Im Tierpark Berlin können die Besucher den seltenen Kängurus in einer begehbaren Anlage ganz nah kommen.
Weiterer Dschungel-Nachwuchs

Und auch an anderer Stelle im neuen Regenwaldhaus hat sich bereits Nachwuchs eingestellt. Binturong-Dame Fiona (19) brachte am 31. Juli 2020 die kleine Sissi zur Welt. Bevor der Schleichkatzen-Sprössling (Vater: Vincent (20)) bereit für die hohen Kletterbäume und Felsen der Anlage ist, dauert es aber noch einen kleinen Moment. Voraussichtlich gegen Ende Oktober wird der putzige Binturong-Nachwuchs im Alfred-Brehm-Haus für die Tierpark-Besucher zu sehen sein.

Hinter den Kulissen des Regenwaldhauses gelang indes noch ein wichtiger Erfolg: Erstmals in der Geschichte des Tierparks schlüpften drei Jungtiere der vom Aussterben bedrohten Zentralvietnamesischen Scharnierschildkröte. Durch eine bis heute starke Jagd dieser Tiere stehen sie kurz vor der Ausrottung. Umso wichtiger ist jedes einzelne Jungtier für die gesamte Art. In den kommenden Wochen werden die bisher nur 18-25 g „schweren“ Reptilien ebenfalls im Alfred-Brehm-Haus zu sehen sein.

Neben dem jüngsten Nachwuchs gibt es noch rund 10.000 weitere tierische Bewohner im Tierpark Berlin zu entdecken. Zudem taucht der eintretende Herbst die 160 Hektar große Parkanlage nun Stück für Stück in bunte Farben. Europas größter Tierpark bietet somit die Möglichkeit für ausgiebige Herbstspaziergänge – mit Abstand!