Pünktlich zum heutigen Weltbärentag gibt es im Tierpark Berlin besonders niedliche Neuigkeiten. Brillenbär-Jungtier „Enzo“ hat seinen ersten großen Tierarzt-Check erfolgreich gemeistert. Der kleine Andenbewohner, der am 16. Januar 2026 zur Welt kam, wurde am 16. März routinemäßig untersucht und geimpft. Mit seinen drei Monaten bringt der Kleine nun 2.850 Gramm Körpergewicht auf die Waage, ungefähr so viel wie ein großes Berliner Landbrot.
Der Ablauf war eingespielt. Während Mutter Tinka kurzzeitig abgetrennt und mit Futter beschäftigt wurde, holte ein Tierpfleger das Jungtier behutsam aus der Höhle. Nach der Untersuchung, inklusive Grundimmunisierung gegen Leptospirose, ging es für den kleinen Bären direkt zurück zu seiner Mutter. Auch wenn Enzo währenddessen lautstark protestierte und Tinka ihrerseits deutlich machte, dass ihr Nachwuchs besser schnell zurückgebracht werden sollte, verlief alles reibungslos. Kaum wieder vereint, kümmerte sich die fürsorgliche Jungmutter sofort um ihr Jungtier. „Gerade solche Momente zeigen, wie wichtig die Arbeit moderner zoologischer Einrichtungen ist“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Brillenbären sind durch den Verlust ihres natürlichen Lebensraumes gefährdet. Jeder Nachwuchs ist daher für uns im Tierpark Berlin nicht nur ein emotionaler Höhepunkt, sondern auch ein wertvoller Beitrag zum internationalen Artenschutz. Und ich gebe zu, dass auch mir das Herz beim Anblick dieser kleinen Knopfaugen aufgeht.“
Ursprünglich brachte Tinka sogar zwei Jungtiere zur Welt. Dass bei Erstgebärenden nicht immer beide Jungtiere aufwachsen, ist jedoch keine Seltenheit bei Brillenbären. „Im natürlichen Lebensraum kommt es durchaus vor, dass sich nur ein Jungtier durchsetzt“, ordnet Kurator Martin Kränzlin ein. „Brillenbären bekommen in der Regel ein, manchmal zwei und sehr selten sogar drei Jungtiere. Dass Tinka bei ihrem ersten Wurf gleich Zwillinge zur Welt gebracht hat, hat uns natürlich sehr gefreut, war aber auch mit einer gewissen Herausforderung verbunden. Umso schöner ist es zu sehen, wie fürsorglich sie sich um ihren Nachwuchs kümmert. Da Mutter und Jungtiere in der Wurfhöhle absolut in Ruhe gelassen wurden, lässt sich der genaue Grund für den Verlust des einen Jungtieres nicht feststellen. Ob es krank war oder Tinka nicht ausreichend Milch hatte, können wir nicht sagen. Enzo entwickelt sich bislang jedoch sehr gut und wird von seiner Mutter aufmerksam umsorgt.“ Nach wie vor verbringt der kleine Bär seine Zeit gut behütet in der Wurfhöhle, doch schon jetzt ist klar, dass Enzo das Potenzial hat, die Herzen der Tierpark-Gäste im Sturm zu erobern. Bis der kleine Racker erstmals die Außenanlage erkundet, wird noch etwas Zeit vergehen. Aktuell steht vor allem eines im Fokus: ein gesunder Start ins Leben.
Hintergrund:
Der Tierpark Berlin unterstützt das Andean Carnivore Conservation Program (ACCP), das sich für den Schutz der Brillenbären und ihres Lebensraums in den Trockenwäldern von Tarija im Süden Boliviens einsetzt. Mithilfe von Kamerafallen wird die Population der Andenbären überwacht und ihr Verhalten dokumentiert. Gleichzeitig fördert das Projekt nachhaltige Lebensgrundlagen in lokalen Gemeinden, etwa durch Bienenzucht und die Verbesserung der Viehhaltung. Ziel ist es, Mensch und Tier langfristig in Einklang zu bringen und den Lebensraum der Brillenbären zu sichern.
Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) gilt der Brillenbär als gefährdet. Zu den Hauptbedrohungen in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in Südamerika zählen die Zerstörung seines Lebensraums durch Abholzung der Wälder sowie die Umwandlung dieser Flächen in landwirtschaftliche Nutzgebiet. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Brillenbären wird von Zoo-Säugetierkurator Dr. Florian Sicks und damit aus Berlin koordiniert. Ziel ist es, durch gezielte Nachzucht langfristig zum Erhalt der bedrohten Tierart beizutragen.
