Gemeinsam für den Wisent

Eine Partnerschaft für Europas größtes Wildtier

Es gibt Tiere, deren Geschichte weit über ihre beeindruckende Erscheinung hinausgeht. Der Wisent gehört dazu. Europas größtes Landsäugetier stand einst kurz davor, für immer aus der Natur zu verschwinden.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Europäische Wisent in der Wildnis ausgerottet – ein Opfer von Lebensraumverlust, Jagd und politischen Umbrüchen. Dass heute wieder Wisente durch einige Landschaften Europas und Teilen Asiens streifen, ist eine der bedeutendsten Erfolgsgeschichten des internationalen Artenschutzes.

Aus wenigen Tieren in menschlicher Obhut – u.a. im Zoo Berlin – entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg eine wachsende Population. Heute leben wieder rund 10.000 wilde Wisente in Europa und Asien – ein bemerkenswerter Erfolg gemeinsamer Schutzbemühungen. Doch die Rückkehr des Wisents ist kein abgeschlossenes Kapitel. Viele Bestände bleiben klein und voneinander getrennt, geeignete Lebensräume müssen langfristig gesichert und neue Perspektiven für die Art geschaffen werden.

Doch diese Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt.

Damit der Wisent auch künftig eine Zukunft in der Wildnis hat, haben die Zoologischen Gärten Berlin gemeinsam mit der European Bison Friends Society (EBFS), dem WWF Caucasus Programme Office und WWF Deutschland eine neue Partnerschaft. Das unterzeichnete Memorandum of Understanding bildet den Rahmen für eine enge Zusammenarbeit und verfolgt ein gemeinsames Ziel: den Schutz und die Zukunft des Europäischen Wisents – insbesondere im Südkaukasus – nachhaltig zu stärken.

Der Südkaukasus mit seinen weitläufigen Gebirgslandschaften und vielfältigen Ökosystemen gilt als Region mit großem Potenzial für den langfristigen Erhalt großer Wildtiere. Gleichzeitig stellen schwierige Geländebedingungen, fragmentierte Lebensräume und komplexe Naturschutzfragen Forschende und Schutzorganisationen vor große Herausforderungen. Genau hier setzt die neue Kooperation an.

Artenschutz gelingt selten allein. Er entsteht dort, wo Wissen geteilt, Erfahrungen zusammengeführt und Verantwortung gemeinsam übernommen wird. Wissenschaftler*innen, Tierärzt*innen, Naturschutzexpert*innen und lokale Partner wollen deshalb in den kommenden Jahren enger zusammenarbeiten. Gemeinsam wollen die Partner untersuchen, welche Lebensräume Wisente heute und in Zukunft benötigen, wie sie sich sicher zwischen diesen bewegen können und unter welchen Bedingungen langfristig stabile Populationen entstehen.

Dabei spielen Zoo und Tierpark Berlin eine zentrale Rolle. Als Co-Projektleitung begleiten sie das Wiederansiedlungsprojekt zur Rückkehr des Wisents in den Shahdag-Nationalpark und bringen ihre langjährige Erfahrung in den internationalen Artenschutz ein. Als Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Wisente verfügt der Zoo Berlin zudem über umfassende Expertise im Management dieser besonderen Tierart. Dieses Wissen reicht von Fragen der Tiergesundheit und Haltung bis hin zur sorgfältigen Planung von Tiertransporten und Wiederansiedlungen. Hinter jeder erfolgreichen Auswilderung stehen zahlreiche Entscheidungen, medizinische Untersuchungen und intensive Vorbereitungen – oft über viele Monate hinweg.

Für die Teams vor Ort im Kaukasus bedeutet die Partnerschaft zugleich praktische Unterstützung. Der WWF bringt seine langjährige Erfahrung in der Region ein, begleitet Forschungs- und Monitoringarbeiten und unterstützt bei logistischer Planung, Genehmigungen und der Zusammenarbeit mit Behörden und lokalen Institutionen. Die European Bison Friends Society ergänzt dieses Netzwerk mit wissenschaftlicher Expertise, insbesondere in den Bereichen Ökologie, Genetik und Populationsentwicklung.

 

Doch der Schutz des Wisents entscheidet sich nicht allein in Forschungseinrichtungen oder Schutzgebieten.

Wer große Wildtiere erhalten möchte, muss auch Menschen erreichen. Deshalb ist Umweltbildung ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit. Geplant sind gemeinsame Bildungs- und Kommunikationsmaßnahmen, die Wissen vermitteln und das Bewusstsein für die Bedeutung des Wisents stärken sollen. Denn nachhaltiger Naturschutz entsteht dort, wo Menschen verstehen, warum Artenvielfalt schützenswert ist und welche Rolle jede einzelne Art in einem Ökosystem spielt.

Auch wissenschaftlich setzt die Kooperation ehrgeizige Ziele. Internationale Forschungsarbeiten, gemeinsame Publikationen und Missionen in den Südkaukasus sollen dazu beitragen, neue Erkenntnisse über den Wisent und seine Lebensräume zu gewinnen. Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Forschenden und Nachwuchswissenschaftler*innen aus der Region. Denn erfolgreiche Naturschutzarbeit braucht nicht nur globale Partnerschaften, sondern auch starke lokale Netzwerke.

Fast hundert Jahre nach dem Verschwinden des Wisents aus der Wildnis erinnert uns seine Geschichte daran, wie verletzlich Natur sein kann – und zugleich daran, was möglich wird, wenn Menschen gemeinsam handeln.

Die Partnerschaft zwischen den Zoologischen Gärten Berlin, EBFS und WWF versteht sich deshalb nicht nur als wissenschaftliche Zusammenarbeit. Sie ist Ausdruck einer gemeinsamen Verantwortung für Europas größtes Wildtier – und für die Hoffnung, dass der Wisent auch künftig Teil lebendiger, wilder Landschaften bleibt.

Fotos aus Aserbaidschan: © Emil Khalilov/WWF

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