Was für ein Winter! Während alle Berliner*innen fröstelnd über die eisigen Fußwege schlitterten, waren die beiden Eisbären im Tierpark, Tonja (16) und Hertha (7), ganz in ihrem Element. Wer die beiden über die dicke Eisschicht tapsen oder ausgelassen durch Schnee und Frost tollen sieht, kann kaum glauben, dass ihre wildlebenden Artgenossen einen Kampf ums Überleben führen. Der Welt-Eisbär-Tag erinnert am 27. Februar daran, dass die größten Landraubtiere der Erde bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgestorben sein könnten, wenn der Verlust ihrer Lebensräume weiterhin so rasant fortschreitet.
Auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) wird der Eisbär bereits als gefährdet geführt. Durch das Schmelzen des arktischen Meereises verlieren die Tiere ihre Jagdgebiete, Nahrungsgrundlagen und Rückzugsräume – selbst die Partnersuche wird dadurch erschwert. „Wir möchten unsere Gäste nicht nur für diese faszinierenden Tiere begeistern, sondern auch für die Herausforderungen sensibilisieren, denen ihre Art in der Wildnis gegenübersteht“, sagt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem und räumt zu diesem Anlass auch mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: „Der Mythos, jeder Eisbär brauche ein Revier so groß wie Italien, greift zu kurz. Wie bei allen Raubtieren bestimmt vor allem das Nahrungsangebot die Größe des Streifgebiets: Wo Beute konzentriert vorkommt, bleiben Tiere auf kleinerem Raum. Eisbären verteidigen kein starres Territorium, sondern folgen dem Meereis und den Robbenbeständen. Es gibt Individuen, die sich – etwa bei gutem lokalem Nahrungsangebot – über längere Zeit in vergleichsweise kleinen Gebieten aufhalten. Entscheidend ist daher nicht die Quadratkilometerzahl, sondern die Qualität des Lebensraums.“ Telemetrie-Studien zeigen so, dass sich manche Tiere phasenweise auf relativ kleine Küstenabschnitte konzentrieren, insbesondere wenn Kadaver wie z. B. Wale oder andere Nahrungsquellen lokal verfügbar sind.
Polar Bears International: Gemeinsam für den Schutz der Arktis
Zoo und Tierpark Berlin sind 2023 von Polar Bears International zum Arctic Ambassador Center ernannt worden. Im Rahmen des Artenschutzprogramms Berlin World Wild unterstützen die Zoologischen Gärten Berlin ihre Forschung in der Arktis. „Aktuelle Forschungsergebnisse von Untersuchungen auf Spitzbergen zeigen, dass die dortigen Eisbären in den vergangenen 25 Jahren deutlich an Gewicht und Fettreserven zugelegt haben, obwohl das umliegende Meereis im gleichen Zeitraum rapide geschrumpft ist. Diese lokale Beobachtung bedeutet jedoch keine Entwarnung: Eisbären sind langfristig auf stabiles Meereis als Jagdplattform und auf ihre Hauptnahrungsquelle, die Ringelrobben, angewiesen – schrumpft das Eis weiter, könnte sich die derzeit positive Entwicklung rasch umkehren“, berichtet Dr. Florian Sicks aus dem Zoo Berlin, der das Europäische Ex-situ-Programm für Eisbären koordiniert. „Moderne Zoos leisten auf mehreren Ebenen einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität: Eisbären sind beeindruckende Botschafter für einen extremen Lebensraum, der uns sehr fern ist. Sie machen uns bewusst, dass die Vorgänge auf der Erde komplex und auch über weite Distanzen miteinander verknüpft sind. Indem wir die Forschung in der Arktis unterstützen, gewinnen wir wichtige Erkenntnisse, um langfristige Schutzmaßnahmen für die Eisbären zu entwickeln.“ Die Wissenschaftler*innen von Polar Bears International beobachten dazu auch das Verhalten von Eisbär-Weibchen rund um ihre Wurfhöhlen, dokumentieren Aufzucht, Nahrungssuche und Wanderbewegungen. Hintergrundinformationen zu den aktuellen Studienergebnissen sind hier zu finden: Svalbard’s Polar Bears Maintaining Body Condition Despite Sea Ice Loss | Polar Bears International
© Polar Bears International_Kt-Miller // Polar Bears International_Steven-C-Amstrup // Tierpark Berlin




