Die Rückkehr der Giganten
Die Geschichte der Elefanten im Tierpark reicht viele Jahrzehnte zurück. Aktuell beginnt ein neues Kapitel.
Als die letzten Afrikanischen Elefanten den Tierpark Berlin im Jahr 2020 verließen, war ihr Abschied nur vorübergehend. Während das traditionsreiche Dickhäuterhaus umfassend saniert wurde, zogen die Elefanten des Tierparks Berlin in verschiedene zoologische Einrichtungen. Nun ist der Moment gekommen, auf den viele Tierpark-Mitarbeitende und Gäste lange gewartet haben: Die Giganten sind zurück in Berlin.
In der vergangenen Woche kehrten Elefantenkuh Pori (46) mit ihrer Tochter Tana (25) in ihre alte Heimat zurück – begleitet von Poris drei Enkeln Tamika (9), Elani (6) und Simon (2). Für die Tiere begann damit ein neuer Lebensabschnitt, und für den Tierpark Berlin erfüllte sich ein lang gehegter Wunsch.
Ein Zuhause für Generationen
Die Rückkehr der Herde markiert den Beginn einer neuen Ära der Elefantenhaltung im Tierpark Berlin. Wo früher verschiedene Dickhäuterarten auf vergleichsweise engem Raum unter einem Dach lebten, steht das Elefantenhaus künftig nahezu vollständig den Afrikanischen Elefanten zur Verfügung. Ergänzt wird es durch naturnah gestaltete, weitläufige Außenanlagen.
Auf rund 20.000 Quadratmetern entstand ein Areal, das konsequent an den Bedürfnissen der gewaltigsten Landsäugetiere der Erde ausgerichtet ist. Das neue Elefantenhaus ist heute das größte Gebäude des Tierparks und zählt zu den bedeutendsten Investitionen seit 1989.
Modernste Technik, höchste Sicherheitsstandards und ein Betreuungskonzept nach dem sogenannten Protected-Contact-Prinzip sorgen dafür, dass Mensch und Tier respektvoll und sicher miteinander arbeiten können. Ergänzt wird dies durch ein speziell entwickeltes Konzept zur Verhaltensanreicherung (Behavioral Enrichment), das den intelligenten Tieren täglich neue Beschäftigungsmöglichkeiten bietet und ihre natürlichen Verhaltensweisen fördert.
Ein Transport, der Monate Vorbereitung benötigte

Doch wie läuft so ein Umzug einer ganzen Elefantenfamilie ab? Die Antwort beginnt lange vor der eigentlichen Reise. Monatelange Vorbereitungen gingen den eigentlichen Transporttagen voraus: Terminabsprachen, Genehmigungen, logistische Planungen sowie unzählige Abstimmungen zwischen Tierärzt*innen, Tierpfleger*innen, Zoolog*innen, dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP), Transportunternehmen, Behörden, Baufirmen und weiteren Beteiligten. Die Gesamtorganisation lag in den Händen einer Transportkoordination – denn ein Umzug von fünf Tieren, die jeweils mehrere Tonnen wiegen, lässt sich nicht improvisieren.
Besonders wichtig war die Vorbereitung der Tiere selbst. Bereits Wochen vor dem Transport begann das Team in Halle mit gezieltem Training auf Basis positiver Verstärkung. Auch das Tierpflegeteam aus Berlin bereitete sich intensiv auf die Rückkehr vor. Mehrfach reisten Mitarbeitende nach Halle, um die Tiere kennenzulernen, Arbeitsabläufe vor Ort zu beobachten und die Beziehungen zwischen den einzelnen Individuen besser zu verstehen.
Gleichzeitig spielte das sogenannte Medical Training eine zentrale Rolle. Dabei lernen die Elefanten freiwillig, Untersuchungen oder Behandlungen zuzulassen – etwa das Präsentieren von Füßen, Rüssel oder Ohren für Pflege, Blutentnahmen oder tierärztliche Kontrollen. Dieses Training ist ein wichtiger Bestandteil moderner Elefantenhaltung und ermöglicht medizinische Versorgung mit möglichst wenig Stress für die Tiere.
Der große Tag

Natürlich blieb ein Transport eine Ausnahmesituation. Als die Lastwagen schließlich auf das Gelände des Tierparks rollten, lag Spannung in der Luft. Wochenlange Vorbereitungen mündeten nun in diese entscheidenden Stunden.
Die erste Gruppe machte sich auf den Weg: Tana, Elani und Simon reisten gemeinsam nach Berlin. Einen Tag später folgten Tamika und Leitkuh Pori. Für Pori und Tana war die Rückkehr besonders bewegend: Schließlich wurde Tana am 4. Mai 2001 genau hier im Tierpark Berlin geboren. Vielleicht erinnerte sich Pori noch an den Geruch der Berliner Luft und an vertraute Geräusche aus ihrer früheren Heimat.
Nach der rund vierstündigen Fahrt begann der nächste wichtige Schritt. Mithilfe eines Krans wurden die Transportcontainer nacheinander vor dem Eingang des Elefantenhauses positioniert. Jetzt zeigte sich, wie gut die Teams zusammengearbeitet hatten: Jeder Handgriff saß, jeder Zuruf traf den richtigen Moment – alles griff ineinander, getragen von jahrelanger Erfahrung und großem Vertrauen.
Die ersten Schritte im neuen Zuhause

Als Tana und Simon als Erste am Dienstagnachmittag ihr neues Zuhause betraten, schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Spannung lag in der Luft. Alle Augen waren auf die beiden gerichtet: Würde ihnen das neue Zuhause gefallen? Neugierig erkundeten sie jeden Winkel ihres neuen Reiches. Mit ihren Rüsseln tasteten sie Türen ab, stibitzten Futter aus hängenden Heuraufen und warfen Sand über ihre Körper. Ein erleichtertes Lächeln machte sich bei allen Beteiligten breit.
Kurz darauf folgte Elani. Sie betrat die Halle, lief den Gang entlang, links öffnete sich eine große Stahltür. Alles funktionierte. Die kleine Familiengruppe war wieder vereint und verbrachte ihre erste Nacht gemeinsam in Berlin.
Doch diese erste Nacht verbrachten die Elefanten nicht ohne Begleitung: Tierpfleger und Kurator blieben direkt vor Ort im Elefantenhaus. Feldbetten standen bereit – denn niemand wollte etwas dem Zufall überlassen. Geht es allen gut? Trinken sie? Sind sie entspannt? Die ersten Stunden nach einem Transport sind entscheidend.
Wiedervereint in Berlin
Keiner im Elefantenhaus hatte gut geschlafen. Für alle war es ein aufregender Ankunftstag in Berlin. Doch für Müdigkeit blieb keine Zeit. Während am nächsten Morgen Tana, Elani und Simon bereits mit frischem Frühstücksheu versorgt wurden, machten sich Pori und Tamika auf den Weg in die Hauptstadt. Am späten Nachmittag war es schließlich so weit: Die gesamte Herde war wieder vereint. Im Tierpark machte sich spürbare Erleichterung breit. Stolz. Dankbarkeit. Und ein Teamgeist, der unter die Haut ging. Hinter diesem Moment standen Monate intensiver Arbeit und das Engagement vieler Menschen an zwei Standorten. Die Unterstützung der Kolleg*innen aus Halle war dabei von unschätzbarem Wert. Es sind genau diese Augenblicke, die lange nachwirken.
Die Eingewöhnung beginnt
Wer glaubt, nach der Ankunft kehre Ruhe ein, irrt. Mit der Eingewöhnung rückt nun die tägliche Arbeit im Tierpark Berlin in den Fokus. Trainingsroutinen werden fortgeführt, Abläufe verfeinert und die Tiere lernen ihre neue Umgebung Schritt für Schritt kennen. Gleichzeitig beobachten die Tierpfleger*innen genau, wie die Elefanten die neuen Beschäftigungsangebote annehmen, welche Bereiche sie bevorzugen und wie Fütterung, Pflege und Reinigung im Alltag funktionieren. Diese Phase ist entscheidend, um das neue Zuhause optimal auf die Bedürfnisse der Tiere abzustimmen. Die kommenden Wochen versprechen intensive und spannende Entwicklungen – für die Elefanten ebenso wie für das gesamte Team.
Ab dem 27. Juni können schließlich auch die Gäste des Tierparks Berlin die Afrikanischen Elefanten auf ihren großzügigen Außenanlagen erleben.



