Tierpark Tier-News

Die erste Etappe ist geschafft

Das Eisbären-Jungtier im Tierpark Berlin wächst und gedeiht

Für Eisbären-Kurator Dr. Florian Sicks geht der erste Blick morgens direkt zum Smartphone. Von diesem kann er sich live in die Wurfhöhle zu seinen Schützlingen schalten: 06:30 – 07:10 Uhr Mutter und Jungtier schlafen, 07:10 – 07:25 Uhr das Jungtrier trinkt, 07:25 – 07:29 Uhr Tonja putzt ihren Nachwuchs. Minute für Minute trägt der Kurator in eine Tabelle ein, was in der Wurfhöhle bei Tonja und ihrem Jungtier vor sich geht. „Ich schaue mir insbesondere das Trinkverhalten des kleinen Erisbären an. Ich bin zufrieden und freue mich, dass Tonja und ihr Jungtier die ersten kritischen 10 Tage gut überstanden haben,“ erklärt Sicks. „Bei aller Freude dürfen wir allerdings auch nicht vergessen, dass die Sterblichkeitsrate für junge Eisbären sehr hoch ist,“ ergänzt er. Auch die Tierpfleger fiebern – mit ständigem Blick auf die Aufnahmen aus der Wurfhöhle – mit Eisbär-Dame Tonja und ihrem Nachwuchs mit. Die moderne Technik erlaubt den direkten Einblick in die Wurfhöhle, ohne dass das Mutter-Kind-Gespann etwas von ihren Beobachtern mitbekommt.
Aktuell trinkt das Jungtier rund 11 Mal pro Tag die nahrhafte Muttermilch, Tonja zehrt momentan ausschließlich von ihrer rund 10 cm dicken Fettschicht, die sie sich im Frühjahr / Sommer dieses Jahres angefressen hat. Nur kurzzeitig verlässt sie ihren Nachwuchs um ihren Durst am Wasserspender zu stillen, die restliche Zeit verbringt das Kleine dicht am wärmenden Fell der Mutter.

Hintergrund:
Am 1. Dezember 2018, um 2:33 Uhr brachte Eisbärin Tonja (9) im Tierpark Berlin ein Jungtier auf die Welt. Zwischen März und April wurde Tonja mehrmals von Eisbären-Vater Wolodja (7) gedeckt. Wolodja ist im Sommer 2018 in den Zoo Berlin gezogen, damit Tonja größtmögliche Ruhe bei der Aufzucht ihres Nachwuchses hat. Auch im natürlichen Lebensraum leben Eisbären als Einzelgänger und die Männchen sind nicht in die Aufzucht der Jungtiere involviert.
Die Sterblichkeitsrate bei jungen Eisbären ist besonders hoch. Im natürlichen Lebensraum werden etwa 85 % der Eisbären nicht älter als zwei Jahre. Da absolute Ruhe für Mutter und Nachwuchs ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Aufzucht ist, wird sich in den kommenden Wochen niemand der Wurfhöhle nähern.
Die Eisbären sind aktuell für die Tierparkgäste nicht zu sehen. Wie auch im natürlichen Lebensraum verlassen Eisbären-Mütter mit ihren Jungtieren erst im Frühjahr die Wurfhöhle.