Tierpark-News

Der Letzte macht das Licht aus

Elefanten verlassen den Tierpark Berlin – Umbau kann starten.

Kleine Boxen aus Beton und Gittern adé! Mit dem grundlegenden Umbau des bisherigen Dickhäuterhauses revolutioniert der Tierpark Berlin nicht nur die eigene Elefanten-Haltung, sondern setzt auch einen europaweiten Meilenstein. So entsteht in Berlin eine einzigartige Savannenlandschaft und gleichzeitig Europas modernste Anlage für Afrikanische Elefanten. Damit bald die „Baustellenlichter“ angehen und die umfangreichen Umbauarbeiten starten können, verlassen in den kommenden Tagen die letzten Elefanten den Tierpark.

Die Vorbereitungen für das nächste Großprojekt im Tierpark Berlin – nach der grundlegenden Modernisierung des Alfred-Brehm-Hauses – laufen auf Hochtouren. Noch in diesem Jahr soll der Umbau des einstigen Dickhäuterhauses beginnen. Mit neuem Dach und modernem Konzept wird das Gebäude komplett umgebaut. Da eine derartige Großbaustelle keine artgerechte Umgebung für Tiere darstellt, verlassen nach Frosja und Louise sowie den Afrikanischen Elefanten nun auch die übrigen Elefanten den Tierpark. So geht es für Kewa (37), Astra (40), Thuza (12), Pantha (8) und Edgar (4) in den kommenden Tagen in den Zoo Leipzig. Für einen möglichst reibungslosen und sicheren Umzug findet der Transport unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„Natürlich fällt es uns sehr schwer, uns von unseren Elefanten zu trennen“, erzählt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Jedoch spendet uns die Aussicht auf eine wirklich fantastische Elefanten-Anlage Trost. Außerdem freuen wir uns, für unsere Schützlinge passende andere Zoos gefunden zu haben. Schließlich gestaltet sich der Umzug sowie die Zusammenstellung neuer Elefanten-Herden als äußert komplex.“

In der Natur leben Elenfanten stets in Familienverbänden zusammen, die jeweils von einer Leitkuh angeführt werden. Zudem bestehen hochsensible soziale Verhältnisse zwischen den einzelnen Tieren, die Freundschaften ähneln. Die moderne Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen soll die Haltung von Elefanten in Zoos in ebendiesen Sozialstrukturen ermöglichen. Gleichzeitig soll die Nachzucht der bedrohten Tiere gesichert werden. So wird der Elefanten-Bestand auf europäischer Ebene im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms (EEP) ganzheitlich betreut. Innerhalb der EEPs legen Komitees – bestehend aus Experten unterschiedlicher Zoos – neue Herdenzusammenstellungen und daraus resultierende Tier-Umzüge fest. Was sich als überaus komplexe, häufig monatelange Prozesse gestaltet, dient letztlich der naturnahen und artgerechten Haltung von Asiatischen sowie Afrikanischen Elefanten.

Durch den gemeinsamen Umzug kann Kewa mit ihren zwei Töchtern Thuza und Pantha sowie Sohn Edgar weiterhin als Familienverbund zusammenleben. Auch bleibt sie mit ihrer langjährigen Freundin Astra vereint. In Leipzig trifft die Gruppe unter anderem auf den Elefantenbullen Voi Nam, sodass künftig auf weiteren Nachwuchs der bedrohten Tiere zu hoffen ist.

Der Umbau im Tierpark Berlin wird voraussichtlich zwei Jahre dauern. Ganz nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ wird das neue Haus dann nur noch Afrikanischen Elefanten Platz bieten. So wird sich die dortige Fläche für die Tiere nahezu verzehnfachen. In der Zwischenzeit freuen sich rund 10.000 andere Tiere im Tierpark auf Besuch.