Aus Berlin zurück in die Wildnis

Wildpferde aus dem Tierpark Berlin reisen für internationales Wiederansiedlungsprojekt nach Kasachstan

  • Przewalskipferde im Tierpark Berlin
  • Przewalskipferde in Kasachstan - OliverLeQue_Prague Zoo
  • Przewalskipferde in Kasachstan - OliverLeQue_Prague Zoo
  • Przewalskipferde in Kasachstan - OliverLeQue_Prague Zoo

    Noch genießen die Tiere die Vorzüge von Vollpension und 24-stündigen medizinischer Rundumversorgung im Tierpark Berlin – doch schon in wenigen Tagen beginnt für vier Przewalski-Pferde eine abenteuerliche Reise, die vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar schien: Noch in dieser Woche fliegen sie nach Kasachstan, um dort Teil eines internationalen Wiederansiedlungsprojekts zu werden.

    Bereits im Jahr 2024 wurden erstmals Wildpferde aus dem Tierpark Berlin für die Auswilderung in die zentralkasachische Altyn-Dala-Steppe gebracht. Nun folgt die nächste Etappe des internationalen Gemeinschaftsprojekts „Return of the Wild Horses“. Gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Tschechien und Kasachstan werden weitere Tiere in das Wiederansiedlungszentrum Alibi überführt und dort schrittweise auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Ziel ist der Aufbau der ersten dauerhaft wild lebenden Przewalski-Pferdepopulation in dieser Region seit dem frühen 19. Jahrhundert.

    Derzeit befinden sich fünf Przewalski-Pferde in der Quarantäne- und Vorbereitungsstation des Tierpark Berlin. Dort werden sie tiermedizinisch betreut und auf den Transport vorbereitet. Welche vier Stuten dann tatsächlich die Reise antreten, entscheidet sich erst kurz vor dem Abflug – abhängig von Gesundheitszustand, Fitness und sozialer Dynamik innerhalb der Gruppe. „Wenn man die Tiere heute hier im Tierpark beobachtet, ist kaum vorstellbar, dass ihre Art einst in der Wildnis als ausgestorben galt“, verkündet Dr. Andreas Knieriem, Direktor von Zoo und Tierpark Berlin. „Umso bedeutender ist es, dass sie nun selbst dazu beitragen, ein verlorenes Stück Wildnis zurückzubringen. Dieses Projekt ist nur durch die enge Zusammenarbeit zahlreicher internationaler Partner möglich.“

    Das Przewalski-Pferd gilt als letztes echtes Wildpferd der Erde. Nach seinem Aussterben in der Wildnis in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überlebte die Art ausschließlich in menschlicher Obhut. Internationale Erhaltungszuchtprogramme zoologischer Einrichtungen ermöglichten ihre Rettung und bilden heute die Grundlage erfolgreicher Wiederansiedlungen. Nach ersten Projekten in den 1990er Jahren existieren heute wieder stabile Populationen in der Mongolei und in China. Ein weiterer Transport mit vier Hengsten aus dem Zoo Prag – dem Initiator des Projekts – befindet sich derzeit auf dem Weg in die Steppe. Eines der Tiere, der Hengst Willi, stammt ursprünglich aus dem Tierpark Berlin. In wenigen Tagen folgt der Transport der Wildpferde aus Berlin in speziell entwickelten Transportkisten per Flugzeug nach Kasachstan – über eine Strecke von mehr als 4.000 Kilometern. Begleitet wird der Transport von erfahrenen Tierärzt*innen, Tierpfleger*innenund Biolog*innen der beteiligten Partnerinstitutionen. „Die Initiative Return of the Wild Horses, die vor 15 Jahren ins Leben gerufen wurde, ist das Flaggschiffprojekt des Prager Zoos“, erklärt Lenka Poliaková, Direktorin des Prager Zoos. „Wir werden dieses Programm fortführen, bis eine stabile Grundlage für eine lebensfähige Population in den Steppen Zentralkasachstans geschaffen ist.“ Die kasachische Steppe zählt zu den größten zusammenhängenden Graslandschaften der Erde. Gemeinsam mit Saiga-Antilopen und Kulans sollen die Przewalski-Pferde dort künftig wieder eine zentrale ökologische Rolle übernehmen: Als große Pflanzenfresser halten sie die Landschaft offen, fördern die Samenverbreitung und schaffen Lebensräume für zahlreiche weitere Arten.

    Der Tierpark Berlin engagiert sich bereits seit den 1980er Jahren für die Wiederansiedlung der Art. Mehrere in Berlin geborene Tiere wurden bereits erfolgreich in Projekte in der Mongolei und China integriert. Die aktuelle Auswilderung ist Teil der Altyn Dala Conservation Initiative zur Wiederherstellung zentralasiatischer Steppenökosysteme, unterstützt unter anderem durch die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF).

    Fotos: Tierpark Berlin // Oliver Le Que - Prague Zoo

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