Fünf Tonnen Gewicht und drei Meter Schulterhöhe – Willkommen im Tierpark Berlin, Kibo (21)! Der Afrikanische Elefantenbulle ist gestern aus dem Thüringer Zoopark Erfurt in die Hauptstadt umgezogen und wird damit der erste ausgewachsene Bulle sein, der in die neue Elefantenanlage einzieht.
„Kibo hat die Reise aus Erfurt gut überstanden und darf sich nun ganz in Ruhe in seinem neuen Zuhause eingewöhnen“, sagt Matthias Papies, Kurator im Tierpark Berlin. „Wenn er sich eingelebt hat, werden wir die nächsten Schritte des Kennenlernens planen.“ Seit Juni leben bereits fünf Afrikanische Elefanten im Tierpark Berlin: Leitkuh Pori (46), ihre Tochter Tana (25) sowie ihre Enkel Tamika (10), Elani (7) und Simon (2). Die drei Generationen bilden einen Familienverband, wie er auch im natürlichen Lebensraum typisch ist. Während die Weibchen meist ihr ganzes Leben in ihrer Familie bleiben, verlassen die Männchen den Verband mit der Geschlechtsreife. Als erwachsene Bullen leben sie häufig allein oder schließen sich zeitweise mit anderen Männchen zusammen. Zur Fortpflanzung suchen sie vorübergehend den Kontakt zu Weibchen aus anderen Familienverbänden. Dieses flexible Sozialgefüge wird als „Fission-Fusion-System“ bezeichnet. „Unsere Elefantenanlage bietet die Möglichkeit, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kühen und Bullen einzugehen. Mit großzügigen Innen- und Außenbereichen schaffen wir eine Umgebung, die die natürliche Sozialstruktur und Lebensweise der Elefanten widerspiegelt. Für unsere Gäste eröffnet sich damit ein besonderer Einblick in das Leben dieser beeindruckenden Tiere. Zugleich beginnt mit diesem Haus ein neues Kapitel in der Elefantenhaltung im Tierpark Berlin“, erklärt Dr. Andreas Knieriem, Zoo- und Tierparkdirektor.
Kibo wurde am 9. Oktober 2005 geboren und lebte seit August 2015 im Zoopark Erfurt. Mit der Elefantenkuh Chupa hat er dort bereits zweimal Nachwuchs bekommen; ein drittes Kalb wird Anfang 2028 erwartet. Da seine Tochter Ayoka inzwischen geschlechtsreif ist, zieht Kibo auf Empfehlung des EEP (EAZA Ex-situ Programm) nach Berlin. „Kibo ist ein sehr angenehmer und ruhiger Elefantenbulle. Wir blicken auf eine schöne gemeinsame Zeit mit Kibo zurück und freuen uns, dass er im Tierpark Berlin ein neues Zuhause findet, das ihm beste Voraussetzungen für seinen nächsten Lebensabschnitt bietet. Für seinen Neustart in Berlin wünschen wir ihm alles Gute“, sagt die zoologische Leiterin und Elefantenkuratorin Tina Risch vom Zoopark Erfurt.
Bereits in ein paar Tagen soll Kibo für die Gäste des Tierpark zu sehen sein. Die Eröffnung des Elefantenhauses ist für 2027 geplant.
Hintergrund: Bedrohung und Schutz Afrikanischer Elefanten
Afrikanische Elefanten sind die größten landlebenden Säugetiere der Welt. Sie bewohnen Savannen, Wälder und Buschland in verschiedenen Ländern südlich der Sahara. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist der Afrikanische Elefant als „stark gefährdet“ eingestuft. In vielen Regionen führen wachsende menschliche Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen zunehmend zu Konflikten zwischen Menschen und Wildtieren – insbesondere dann, wenn Elefanten auf der Suche nach Wasser und Nahrung Felder oder Dörfer erreichen. Der Tierpark Berlin unterstützt ein Elefantenschutzprojekt im Norden Namibias. Gemeinsam mit der Partnerorganisation EHRA (Elephant-Human Relations Aid) wird die lokale Bevölkerung darin geschult, das Verhalten der Elefanten besser zu verstehen und sicher mit Begegnungen umzugehen. Zu den Maßnahmen gehören auch geschützte Wasserstellen und natürliche Abwehrsysteme wie Chilipflanzen, die Elefanten von Feldern fernhalten sollen. So trägt das Projekt dazu bei, Konflikte zwischen Menschen und Elefanten zu verringern und ein möglichst friedliches Zusammenleben zu fördern.

