COP17: Globale Ziele & konkrete Maßnahmen im Naturschutz – Zoologische Gärten Berlin als positives Beispiel genannt

UN-Biodiversitätsbericht hebt internationale Artenschutzprojekte der Zoologischen Gärten Berlin als Praxisbeispiele hervor | Wiederansiedlungsprojekte zeigen, wie Naturschutzziele praktisch umgesetzt werden können.

  • Przewalski-Pferd-Auswilderung © Petr Jan Juracka
  • Wisent-Auswilderung © Emil Khalilov WWF
  • Auswilderung Europäischer Feldhamster © Tierpark Berlin

    Auf der aktuell im armenischen Jerewan tagenden UN-Biodiversitätskonferenz COP17 wird über die Zukunft der biologischen Vielfalt verhandelt. Dabei rückt auch die Artenschutzarbeit der Zoologischen Gärten Berlin international in den Fokus: Im kürzlich veröffentlichten UN-Bericht „State of Biodiversity Action“, der erstmals eine umfassende globale Bestandsaufnahme zur Umsetzung der 2022 beschlossenen Biodiversitätsziele liefert, werden Projekte von Zoo und Tierpark Berlin als Praxisbeispiele für die Umsetzung der weltweiten Artenschutzziele vorgestellt. Der Bericht hebt insbesondere die internationalen Erhaltungszucht- und Wiederansiedlungsprojekte sowie die Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen und staatlichen Partnern hervor.

    Unter der Überschrift „Berlin Zoological Garden supporting global species conservation“ (Target 4) stellt der Bericht die Zoologischen Gärten Berlin als konkretes Beispiel für die Umsetzung von Maßnahmen vor, die sich insbesondere der Verhinderung des Artensterbens und der Erholung bedrohter Tierpopulationen widmen. „Auf der COP17 wird darüber diskutiert, wie wir das weltweite Artensterben aufhalten können. Umso bedeutender ist es für uns, dass die Vereinten Nationen die Arbeit von Zoo und Tierpark Berlin als konkretes Praxisbeispiel hervorheben,“ erklärt die Artenschutz-Teamleitung Katharina Sperling aus Jerewan. „Unsere Projekte zeigen, dass internationale Zusammenarbeit und wissenschaftlich koordinierte Erhaltungszucht einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Arten leisten können. Entscheidend ist, dass aus globalen Zielen konkrete Maßnahmen werden.“

    Auch Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem freut sich über die Anerkennung der wichtigen Arbeit zoologischer Gärten: „Wir leisten mit unserer wissenschaftlichen Arbeit und unseren internationalen Artenschutzprojekten einen konkreten Beitrag zum Erhalt bedrohter Arten. Gleichzeitig erreichen wir mit mehr als fünf Millionen Gästen jährlich eine beachtliche Zahl an Menschen, die wir für die faszinierende Vielfalt der Tierwelt und für ihren Schutz begeistern können. Artenschutz, Forschung und Umweltbildung gehören für uns untrennbar zusammen.“

    Im Bericht ebenfalls hervorgehoben, wurde der internationale Charakter, die die Artenschutzprojekte der Zoologischen Gärten Berlin ausmacht. Zoo und Tierpark Berlin koordinieren zehn internationale Erhaltungszuchtprogramme für bedrohte Tierarten innerhalb des Europäischen Zooverbandes EAZA und beteiligen sich an mehr als 240 weiteren Programmen. Gemeinsam mit internationalen Partnern setzen sie sich zudem dafür ein, bedrohte Arten in ihren natürlichen Lebensräumen zu schützen und langfristig zu stabilisieren. “Die Erreichung globaler Biodiversitätsziele erfordert strategische Partnerschaften über verschiedene Sektoren hinweg. Moderne Zoos und Aquarien sind unverzichtbare Partner im Artenschutz. Sie bringen ihre Expertise in die Wiederherstellung bedrohter Tierpopulationen, die wissenschaftliche Forschung, die Erhaltungszucht, das genetische Management, die internationale Zusammenarbeit und die Einbindung der Bevölkerung ein. Die von Zoo und Tierpark Berlin geleiteten Projekte sowie weitere Projekte, die in Zusammenarbeit mit den WAZA-Mitgliedern Zoo Prag und Zoo Leipzig umgesetzt wurden, werden im UN-Bericht als Beispiele hervorgehoben. Sie verdeutlichen die entscheidende Rolle unserer Gemeinschaft bei der Umsetzung globaler Biodiversitätsverpflichtungen und leisten einen konkreten Beitrag zum Schutz von Arten, zum Wohl der Menschen und zum Erhalt der Natur.“ erklärt Dr. Martín Zordan, CEO der World Association of Zoos and Aquariums (WAZA).

    Hintergrund: Der globale Biodiversitätsrahmen

    Das Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework wurde 2022 auf der 15. UN-Biodiversitätskonferenz beschlossen und umfasst 23 Ziele bis 2030. Ziel 4 (Target 4) richtet sich insbesondere auf die Verhinderung des menschengemachten Artensterbens, die Erholung bedrohter Arten und den Erhalt ihrer genetischen Vielfalt. Der aktuelle UN-Bericht „State of Biodiversity Action“ bildet eine wichtige Grundlage für die globale Bestandsaufnahme auf der COP17, die am 30. Oktober 2026 in Jerewan endet. Der Bericht „State of Biodiversity Action“ zieht eine erste umfassende Bilanz zur Umsetzung des 2022 verabschiedeten Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework. Dieses soll den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 aufhalten und umkehren. Weitere Informationen dazu gibt es unter folgendem Link. https://www.cbd.int/globalreview/report2026

    Hintergrund: Von Berlin in die Wildnis – Von Wisent, Przewalski-Pferd und Feldhamster

    Was durch internationale Zusammenarbeit im Artenschutz möglich ist, zeigt die Geschichte des Wisents. Anfang des 20. Jahrhunderts war Europas größtes Landsäugetier in der Wildnis ausgerottet. Nur wenige Tiere überlebten in zoologischen Einrichtungen. Bereits 1923 wurde im Zoo Berlin die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents gegründet und damit der Grundstein für das erste internationale Zuchtbuch einer bedrohten Wildtierart gelegt. Heute gibt es dank koordinierter Erhaltungszucht und Wiederansiedlung weltweit wieder rund 10.000 Wisente. Auch ein Jahrhundert später spielen Zoo und Tierpark Berlin bei der Rückkehr der Art eine zentrale Rolle: Gemeinsam mit dem WWF, dem aserbaidschanischen Umweltministerium, der EAZA und weiteren Partnern engagieren sie sich für die Wiederansiedlung im Shahdag-Nationalpark in Aserbaidschan. Seit Projektbeginn wurden 64 Wisente aus europäischen Zoos in den Kaukasus gebracht. Mit dem dort geborenen Nachwuchs ist die von Rangern überwachte Population inzwischen auf mehr als 90 Tiere angewachsen.

    Weitere Informationen zum Erhaltungszucht- und Wiederansiedlungsprojekt des Wisents in Osteuropa gibt es unter folgendem Link.

    Auch das Przewalski-Pferd, die letzte heute lebende echte Wildpferdeart, verdankt sein Überleben der koordinierten Zucht in zoologischen Einrichtungen. Nachdem die Art im natürlichen Lebensraum ausgestorben war, kehrt sie nun durch internationale Wiederansiedlungsprogramme in ihre ursprünglichen Lebensräume zurück. Für das vom Zoo Prag geleitete Projekt „Return of the Wild Horses“, das gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, der kasachischen Naturschutzorganisation ACBK und weiteren Partnern umgesetzt wird, übernimmt der Tierpark Berlin eine wichtige Rolle: Hier werden Wildpferde aus europäischen Zoos für ihren Transport in die kasachische Steppe zusammengeführt. Im August 2026 gelang ein historischer Meilenstein: Erstmals seit rund 200 Jahren wurden in Zentralkasachstan wieder zwei Przewalski-Fohlen geboren. Mutter des ersten Fohlens ist die im Tierpark Berlin geborene Stute Tessa. Als große Pflanzenfresser leisten die Wildpferde zudem einen wichtigen Beitrag zum Ökosystem der Steppe: Sie verbreiten Samen, fördern die Biodiversität und können durch ihr Weideverhalten die Ausbreitung von Steppenbränden begrenzen.

    Weitere Informationen zum Wiederansiedlungsprojekt der Przewalski-Pferde gibt es unter folgendem Link.

    Doch auch vor der eigenen Haustür engagieren sich die Zoologischen Gärten Berlin für bedrohte Arten. Gemeinsam mit dem Zoo Leipzig und weiteren Partnern setzen sie sich für den Europäischen Feldhamster ein, der zu den am stärksten bedrohten Säugetieren Deutschlands zählt. Durch gezielte Erhaltungszucht und die anschließende Wiederansiedlung auf hamsterfreundlich bewirtschafteten Ackerflächen in Deutschland soll die Art langfristig erhalten bleiben. Allein 2025 und 2026 stammten insgesamt über 120 der ausgewilderten Feldhamster aus der Feldhamsterstation des Tierpark Berlin. Das Projekt zeigt, wie eng Erhaltungszucht, Lebensraumschutz und die Zusammenarbeit mit Landwirtschaft und Naturschutzbehörden ineinandergreifen müssen.

    Weitere Informationen zum Schutz- und Wiederansiedlungsprojekt der Europäischen Feldhamster in Deutschland gibt es unter folgendem Link.

    Fotos: 
    © Petr Jan Juracka
    © Emil Khalilov WWF
    © Tierpark Berlin

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