Im Tierpark Berlin entsteht seit mehreren Jahren die größte und modernste Anlage für Afrikanische Elefanten. Nicht nur ist diese, sich über rund 20.000 Quadratmeter erstreckende Baustelle an sich ein „Mammutprojekt“. Auch stellt die Rückkehr der Grauen Riesen und deren Haltung nach modernsten Standards eine gewisse Kraftanstrengung für den Tierpark-Alltag dar. Das gilt besonders in den derzeit, gesamtwirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Um sich auf die Ankunft der Elefantenherde im Frühsommer bestmöglich vorzubereiten, finden im Tierpark Berlin aktuell Umstrukturierungen statt.
Die Veränderungen beziehen sich sowohl auf die Personalstruktur der Tierpflege als auch auf Teile der Tierhaltung. Das Ziel ist es, vorhandene Ressourcen in der Tierpflege noch gezielter einzusetzen. Vor diesem Hintergrund werden zwei Bereiche des 160 Hektar großen Parkgeländes – die Fasanerie und Teile des Haustierbereichs – ab dem 1. Februar für den Besucherverkehr geschlossen. Die meisten der dort lebenden Tiere werden in den kommenden Monaten in andere Einrichtungen abgegeben. Einzelne Arten werden in anderen Bereichen von Zoo und Tierpark untergebracht. Welche und wie viele Arten das genau betrifft, steht derzeit noch nicht final fest. In Gänze handelt es sich um weniger als 40 von insgesamt rund 630 Tierarten. Der beliebte Streichelzoo ist von der Schließung nicht betroffen.
Der Tierpark Berlin gilt als größter Tierpark Europas. Sein gesamtes Wegenetz umfasst derzeit 25 km, welches durch die genannten Einsparungsmaßnahmen um ca. 600 m reduziert wird. Diese Entscheidung ist Teil einer verantwortungsvollen, vorausschauenden Betriebsplanung. Die Steigerung von Eintrittspreisen oder ein Stellenabbau gilt es hierbei zu verhindern. In gesamtwirtschaftlich unsicheren Zeiten trägt dieser Schritt dazu bei, weiteren Erhöhungen der ohnehin stetig steigenden Betriebskosten entgegenzuwirken. Gleichzeitig unterstreicht sie den Anspruch der Tierpark-Leitung, die bestmögliche Betreuung der tierischen Schützlinge konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. So können angesichts der derzeitigen Finanzlage die betroffenen und sichtlich in die Jahre gekommenen Anlagen in absehbarer Zeit nicht nach den heutigen Ansprüchen an eine moderne Tierhaltung umgebaut werden. Mit der Reduzierung stehen für alle anderen Tiere und Anlagen mittelfristig mehr Ressourcen zur Verfügung.
„Wir stehen vor einem unserer größten Projekte der letzten Jahrzehnte und überhaupt in der Geschichte des Tierparks: der Rückkehr der Elefanten“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Die Modernisierung des Elefantenhauses ist eine große Chance für den Tierpark, der seit jeher mit knappen Ressourcen arbeitet. Die Elefanten gehören zu den am meisten vermissten Arten und ihre Wiederkehr wird somit ein Highlight.“ Der erwartete Besucherzuwachs ist entscheidend, um künftig weitere Bereiche modernisieren und die hohen Personal-, Energie- und Instandhaltungskosten tragen zu können.
„Der Betrieb eines modernen Elefantenhauses ist sehr arbeitsintensiv“, erläutert der Zoologische Leiter Christian Kern. „Zugleich können wir derzeit keine neuen Tierpfleger*innen einstellen. Durch Renteneintritte ist unsere Personalstärke gesunken, während der Pflegeaufwand gestiegen ist. Um die Elefanten optimal zu versorgen, müssen wir Kräfte umverteilen – das erfordert Einsparungen an anderer Stelle.“
Es wurde lange nach Alternativen gesucht. Neben dem Alter der Anlagen sprachen letztendlich vor allem zwei Gründe für die Fasanerie und den Haustierbereich: Beide Bereiche liegen am Rande des Tierparks und lassen sich somit leichter aus dem Wegenetz für Gäste herauslösen. Zudem handelt es sich um Bereiche, mit deutlich geringerer Besucherfrequenz als in anderen Teilen des Tierparks. „Das mindert natürlich nicht den ideellen Wert, den diese Bereiche für viele von uns hat – aber wir müssen in der aktuellen Lage sehr genau überlegen, wie wir unsere Kräfte einsetzen und verteilen“, fügt Kern hinzu.

