Ein weiterer Meilenstein für den Artenschutz: Vier Przewalski-Stuten aus dem Tierpark Berlin haben Kasachstan erfolgreich erreicht. Nach ihrer Reise von Berlin über Kostanay in das Wiederansiedlungszentrum Alibi wurden die Tiere in gutem gesundheitlichem Zustand in ihre Akklimatisierungsgehege entlassen. Dort beginnt nun die nächste Etappe ihrer Rückkehr in die zentralasiatische Steppe. Die vier Wildpferde reisten in speziell entwickelten Transportkisten an Bord eines Militärflugzeugs der Tschechischen Armee nach Kasachstan. Das Flugzeug hatte zuvor bereits vier Hengste aus dem Zoo Prag in die Altyn-Dala-Steppe gebracht und kehrte anschließend nach Berlin zurück, um die zweite Phase des diesjährigen Transports zu übernehmen. Begleitet wurde die Reise von erfahrenen Tierärzt*innen, Tierpfleger*innen und Biolog*innen der beteiligten Partnerinstitutionen. Vom Tierpark Berlin waren auch der Zoologische Leiter Christian Kern, die Tierärztin Frauke Vißmann sowie der Tierpfleger Norman Brozio beim Transport dabei und begleiteten die Tiere von Berlin bis in das Wiederansiedlungszentrum Alibi. Nach der Landung in Kostanay wurden die Stuten über den Landweg in die Altyn-Dala-Steppe transportiert und dort in ihre Akklimatisierungsgehege entlassen. Die Ankunft der Berliner Stuten markiert die Fortsetzung des internationalen Gemeinschaftsprojekts „Return of the Wild Horses“. Ziel der seit 2024 bestehenden Initiative ist der Aufbau einer dauerhaft wild lebenden Population von Przewalski-Pferden in der Altyn-Dala-Steppe – einer Region, in der die Art einst heimisch war und aus der sie seit dem frühen 19. Jahrhundert verschwunden war. „Für den Tierpark Berlin ist dieser Moment etwas Besonderes: Die vier Stuten haben nicht nur eine weite Reise hinter sich, sondern werden die Entwicklung einer neuen Wildpferdpopulation in der kasachischen Steppe mitprägen. Dass wir diesen Prozess heute aktiv unterstützen können, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Erhaltungszucht und internationaler Zusammenarbeit“, erklärt Dr. Andreas Knieriem, Direktor von Zoo und Tierpark Berlin.
Im Wiederansiedlungszentrum Alibi verbringen die Tiere nun zunächst eine längere Eingewöhnungsphase. Dort werden sie unter naturnahen Bedingungen beobachtet und auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Erst nach erfolgreicher Anpassung an die Bedingungen der zentralasiatischen Steppe werden die Tiere in die riesige Steppe entlassen. Die Wiederansiedlung erfolgt im Rahmen der Altyn Dala Conservation Initiative zur Wiederherstellung zentralasiatischer Steppenökosysteme. „Die sichere Ankunft der Stuten in Alibi ist für alle Beteiligten ein besonderer Moment. Die Tiere haben die lange Reise von Berlin bis in die Altyn-Dala, die riesengroße und wunderschöne Grassteppe Zentralkasachstans, gut überstanden und erkunden bereits ihre neue Umgebung. Vor Ort zu erleben, wie die nächsten Przewalski-Pferde in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren, macht die Bedeutung dieses Projekts noch einmal besonders deutlich“, sagt Christian Kern, Zoologischer Leiter von Zoo und Tierpark Berlin. Auch die internationalen Partner betonen die Bedeutung der erneuten Auswilderung:
„Die Ankunft weiterer Wildpferde in Kasachstan ist ein bedeutender Schritt für den Naturschutz und das Ergebnis langfristiger internationaler Zusammenarbeit. Gemeinsam schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass sich die Tiere dauerhaft wieder in ihrer ursprünglichen Heimat etablieren können. Wir danken allen Partnern für ihr Vertrauen und ihre kontinuierliche Unterstützung“, erklärt Vera Voronova, Direktorin der Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK).
„Die erfolgreiche Ankunft der Berliner Stuten ist ein weiterer wichtiger Schritt innerhalb unseres Programms. Mit jedem erfolgreich transportierten Tier kommen wir unserem Ziel näher, wieder stabile, wild lebende Populationen von Przewalski-Pferden in Zentralasien zu etablieren“, sagt Lenka Poliaková, Direktorin vom Zoo Prag. Neben dem Tierpark Berlin und dem Zoo Prag wird das Projekt von der Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan (ACBK), dem Committee of Forestry and Wildlife der Republik Kasachstan sowie der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft unterstützt. Gemeinsam verfolgen die Partner das Ziel, das Przewalski-Pferd dauerhaft wieder in den Steppen Zentralasiens zu etablieren.
Fotos: Oliver LeQue // Petr Jan Juracka




