Kleine Eulen, große Mission

Erstmals werden Steinkäuze aus dem Tierpark Berlin im Harzvorland ausgewildert

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  • Steinkauz im Tierpark Berlin

    Mit vier im Tierpark Berlin aufgezogenen Steinkäuzen beteiligt sich der Tierpark erstmals an einem Auswilderungsprojekt für die bedrohte Eulenart. Gemeinsam mit dem Wiederansiedlungsprojekt im nördlichen Harzvorland und Großen Bruch in Sachsen-Anhalt soll eine langfristig stabile und sich selbst erhaltende Population aufgebaut werden.

    Der Steinkauz war im nördlichen Harzvorland einst heimisch, verschwand jedoch infolge des Verlusts geeigneter Lebensräume und der Intensivierung der Landwirtschaft. Da eine natürliche Wiederbesiedlung des Gebietes aufgrund der großen Entfernung zu bestehenden Vorkommen kaum zu erwarten ist, werden seit mehreren Jahren junge Steinkäuze ausgewildert. Parallel schaffen umfangreiche Maßnahmen zur Biotopentwicklung, darunter die Pflege von Streuobstwiesen und Grünland, wieder geeignete Lebensräume für die charakteristische Eulenart.

    Das Wiederansiedlungsprojekt blickt dabei auf eine langjährige Geschichte zurück: 2026 geht das Engagement für den Steinkauz bereits in das 34. Jahr. Im Jahr 2000 wurde im nördlichen Harzvorland bei einem Wildbestand von null Brutpaaren mit der Wiederansiedlung begonnen. Inzwischen gibt es im Arbeitsgebiet rund 16 Brutpaare, die je nach Bedarf betreut werden. Parallel zur Auswilderung wird der Lebensraum für die Steinkäuze gezielt verbessert. Dazu gehören unter anderem der Kauf und die Pacht von Streuobstwiesen, deren Entbuschung und Einzäunung sowie die Nachpflanzung von Bäumen. Auch die extensive Beweidung mit Ziegen und Schafen trägt dazu bei, geeignete Lebensräume zu erhalten. Mit der Aufzucht und Abgabe von vier Jungvögeln leistet der Tierpark Berlin nun erstmals einen direkten Beitrag zu diesem erfolgreichen Artenschutzprojekt.

    „Als Tierpark Berlin verfügen wir über die Möglichkeit, mit der Zucht bedrohter Tierarten einen direkten Beitrag für konkreten Naturschutzprojekten in der Natur zu leisten. Dass wir mit unseren erstmals ausgewilderten Steinkäuzen die Rückkehr dieser faszinierenden Eulenart ins nördliche Harzvorland unterstützen können, freut uns sehr und zeigt, wie wichtig starke Partnerschaften für den Artenschutz sind“, sagt Christian Kern, Leitender Zoologe von Zoo und Tierpark Berlin.

    Die vier Jungvögel wurden im Tierpark Berlin unter fachkundiger Betreuung aufgezogen und für die Auswilderung vorbereitet. Im Projektgebiet werden sie schrittweise an ihre neue Umgebung gewöhnt und anschließend in die Wildnis entlassen. Dort ergänzen sie die bestehende Population, die sich dank der kontinuierlichen Auswilderungen und der intensiven Lebensraumverbesserungen in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat.

    „Die Haltung und erfolgreiche Nachzucht von Steinkäuzen ist eine wichtige Voraussetzung, um Wiederansiedlungsprojekte wie dieses zu unterstützen. Entscheidend ist dabei auch die enge Zusammenarbeit mit den Naturschutzakteuren vor Ort. Erst das Zusammenspiel aus geeigneten Lebensräumen und gesunden Jungvögeln schafft die Grundlage für einen langfristigen Erfolg", erklärt Kurator Tim Meschke.  

    Seit Beginn des Wiederansiedlungsprojekts konnte die Zahl der Steinkauzreviere im nördlichen Harzvorland kontinuierlich gesteigert werden. Inzwischen gibt es dort rund 16 freilebende Brutpaare – ein ermutigendes Zeichen dafür, dass Auswilderung und Biotopentwicklung gemeinsam wirken.

    „Jeder einzelne Jungvogel erhöht die Chance, dass sich die Population langfristig selbst trägt. Besonders wertvoll ist die Unterstützung durch zoologische Einrichtungen wie den Tierpark Berlin, denn erfolgreiche Wiederansiedlung gelingt nur gemeinsam. Ebenso wichtig wie die Auswilderung selbst ist die kontinuierliche Pflege und Entwicklung geeigneter Lebensräume, damit die Steinkäuze dauerhaft eine Zukunft in der Region haben“, sagt Eckhard Kartheuser, zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises zum Greifvogel- und Eulenschutz in Sachsen-Anhalt e.V., das Wiederansiedlungsprojekts für den Steinkauz im nördlichen Harzvorland.

    Mit der Auswilderung der vier Steinkäuze verbindet der Tierpark Berlin die erfolgreiche Nachzucht in menschlicher Obhut mit konkretem Artenschutz in der Natur. Damit steht das Projekt beispielhaft für das umfassende Engagement des Tierpark Berlin im weltweiten Artenschutz: Der Tierpark zählt zu den zoologischen Einrichtungen, die sich sowohl der Zucht bedrohter Arten als auch ihrer Wiederansiedlung in geeigneten Lebensräumen widmen. So engagiert sich der Tierpark unter anderem in erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekten für Wisente in Aserbaidschan und Wildpferde in Kasachstan. Darüber hinaus werden im Rahmen verschiedener Artenschutzprogramme regelmäßig Bartgeier, Gänsegeier, Waldrappen, Feldhamster und Habichtskäuze ausgewildert.

    Hintergrund Steinkäuze:

    Der Steinkauz zählt zu den kleinsten Eulen Europas und ist ein typischer Kulturfolger. Über Jahrhunderte besiedelte er extensiv genutzte Streuobstwiesen, Weidelandschaften und offene Agrarflächen mit alten Höhlenbäumen als Brutplätzen. Heute gilt die Art in vielen Regionen Deutschlands als gefährdet; bundesweit leben nach Schätzungen noch rund 7.500 bis 8.000 Brutpaare. Hauptursachen für den Bestandsrückgang sind der Verlust geeigneter Lebensräume, das Verschwinden alter Obstbäume sowie die Intensivierung der Landwirtschaft. Charakteristisch für den Steinkauz ist zudem sein Verhalten: Anders als viele andere Eulen ist er häufig auch tagsüber zu beobachten, wenn er auf Zaunpfählen, Telefonmasten oder Steinmauern nach Beute Ausschau hält.

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