Im Tierpark Berlin gibt es gleich dreifachen Grund zur Freude. Bei den seltenen Somali-Wildeseln sind innerhalb weniger Tage drei Jungtiere zur Welt gekommen. Vater der drei Fohlen ist der 22-jährige Somali-Wildesel-Hengst Stan. Die Mutter von Hengst Bruce, der am 27. Juli auf die Welt kam, ist Stute Beatrice. Es folgten die beiden Stutfohlen Amy am 30. Juli von Mutter Kitara und Suzan am 5. August von Mutter Suri. Ein weiteres Jungtier wird in den kommenden Wochen erwartet.
„Die ersten Lebenstage sind für die Jungtiere besonders wichtig. Unsere Stuten kümmern sich sehr aufmerksam und fürsorglich um ihren Nachwuchs. Der kleine Bruce würde seine beiden Halbschwestern am liebsten schon zum Spielen auffordern, doch ihre Mütter bremsen den verspielten Hengst noch etwas aus. In ein bis zwei Wochen wird sich das vermutlich ändern, dann werden die drei Jungtiere sicherlich gemeinsam über die Anlage flitzen“, erzählt Kurator Martin Kränzlin. Der Somali-Wildesel zählt zu den seltensten Huftieren der Welt. Nach der letzten Bestandsschätzung aus dem Jahr 2014 leben vermutlich nur noch höchstens rund 200 Tiere in der Natur, möglicherweise sogar deutlich weniger. Aktuellere Untersuchungen zur Verbreitung der Tierart gibt es leider seitdem keine mehr. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird die Art als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) geführt. Umso wichtiger ist die Erhaltungszucht in Zoos: Rund 150 Somali-Wildesel leben derzeit in europäischen zoologischen Einrichtungen und bilden die bedeutendste Reservepopulation der Art. Die zweite Unterart des Afrikanischen Wildesels, der Nubische Wildesel, gilt unter Experten als vermutlich ausgestorben, auch wenn die aktuelle Datenlage darauf hindeutet, dass eventuell doch noch einige Individuen im Sudan existieren.
„Jedes Jungtier ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt dieser außergewöhnlichen Tierart. Moderne Zoos tragen eine besondere Verantwortung für Arten wie den Somali-Wildesel, deren Zukunft in der Natur am seidenen Faden hängt. Mit einer stabilen Reservepopulation schaffen wir hier im Tierpark Berlin die Grundlage dafür, diese Tiere langfristig zu bewahren und gleichzeitig auf die dramatische Situation ihrer wilden Verwandten aufmerksam zu machen“ sagt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem und ergänz: „Wir hoffen, dass ihnen das Schicksal der Przewalskipferde – die Ausrottung in ihrem natürlichen Lebensraum – erspart bleibt“. Besucher*innen können die drei Jungtiere bereits gemeinsam mit ihrer Herde auf der Anlage beobachten. Ein Besuch im Tierpark Berlin lohnt sich derzeit also ganz besonders.



