Der Tierpark Berlin als Naturerlebnis

Der Tierpark ist ein Ort der Vielfalt. Er ist nicht nur eine Kultureinrichtung in der Tiere, Kunst und Architektur aufeinandertreffen. Als größter Tierpark Europas bietet er den Menschen mit mehr als 13.000 Bäumen, zahlreichen Gewässern, Wiesen und Sträuchern auch ein ganz besonderes Naturerlebnis. Die Weitläufigkeit des 160 Hektar großen Geländes ist eines seiner wichtigsten Alleinstellungsmerkmale in der internationalen Zoolandschaft. Die Gartenbauingenieurin Julia Kalisch leitet die Gartenabteilung im Tierpark Berlin und verrät uns im Interview wo sich der älteste Baum des Tierparks befindet und welche Herausforderungen solche Naturdenkmäler mit sich bringen.

Teile der Gartenlandschaften des Tierparks wurden vom berühmten Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné gestaltet. Warum war er so bedeutend? Und an welchen Stellen des Tierparks sieht man noch heute seine Handschrift?

Peter Joseph Lenné zählt zu den bekanntesten deutschen Gartenkünstlern, weil er zahlreiche Parks und Grünanlagen in Deutschland entworfen und geschaffen hat. Seine berühmtesten Werke sind der Park Sanssouci in Potsdam und der Große Tiergarten in Berlin. In seinen „Landschaftsverschönerungen" verband er Nützlichkeit und Schönheit und schuf damit durch Grünanlagen sozialverträgliche Stadtstrukturen die der Naherholung der Bevölkerung dienten. Zudem ließen sich vielen nachfolgende Gartenkünstler und Landschaftsgestalter von seinen Werken inspirieren.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss Friedrichsfelde von der Familie von Treskow übernommen. Diese betrieben auf dem Anwesen eine Gutswirtschaft und ließen sich 1821 eine Gartenanlage von Peter Joseph Lenné anlegen. Charakteristische Merkmale seiner Landschaftsgestaltungen sind die vielfältigen Sichtachsen, mit denen er die einzelnen Parkteile optisch miteinander verband und deren Bauwerke er durch diese Sichtlinien wirkungsvoll in Szene setzte. Zu den klaren Achsen, die er quer durch den Park mit begradigten Straßenzügen schaffen ließ, gehört beispielsweise der Blick vom Schloss bis zum Terrassencafé Kakadu.

Bei historisch bedeutenden Gebäuden gibt es einen Denkmalschutz. Gibt es etwas ähnlich auch für die Natur?

Ja, es gibt die sogenannten „Naturdenkmäler“. Davon haben wir derzeit fünf Stück im Tierpark: Eine Blutbuche am Kamelgraben, gegenüber der Plansche, drei Stiel-Eichen darunter die älteste bei den Bisons und eine Platane am Schloss Eingang.

Wie pflegt man so ein lebendes Denkmal?

Das ist ein schmaler Grat zwischen Verkehrssicherungspflicht und Erhaltungspflicht seitens des Tierparks als Eigentümer des Naturdenkmals. Wie bei Menschen auch nimmt die Pflegeintensität auch bei Bäumen mit steigendem Alter zu. Für uns bedeutet das erhöhte Kontrollintervalle und natürlich immer auch ein gewisses Restrisiko, dass der Baum doch umfällt oder Teile ausbrechen. Zudem müssen alle Maßnahmen immer mit der Denkmalbehörde abgestimmt und genehmigt werden.

Und welches ist der älteste Baum im Tierpark und wie findet man das Alter eines Baumes heraus?

Das ist eine Stieleiche gegenüber den Waldbisons. Laut unserer Berechnungen sind wir auf 200 Jahre gekommen. Das Alter berechnet man grob gesagt indem man seinen Umfang mit einer bestimmten Zahl multipliziert.  Bei Bäumen, die sehr langsam wachsen ist diese Zahl größer als 0,6. Bei rasch wachsenden Bäumen wird die Zahl entsprechend kleiner z.B. 0,3.. Natürlich gibt es mittlerweile Onlinerechner. Da müssen dann nur noch der Stammumfang und die Baumart eintragen werden.

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