Der Tierpark Berlin im Blick der Öffentlichkeit

Der Tierpark ist ein Ort der Vielfalt. Er ist nicht nur eine Arche für bedrohte Tiere, sondern auch ein Ort an dem Mensch, Natur und Architektur aufeinander treffen. Als solcher stand der Tierpark Berlin von Beginn an im Licht der Öffentlichkeit. Der Historiker Dr. Clemens Maier-Wolthausen hat sich im Laufe der vergangenen Jahre intensiv mit der Geschichte der deutschen Zoos befasst. Er hat nicht nur die Ausstellung Berliner Zoogeschichte|n kuratiert, sondern ist auch Autor des Buches „Die Hauptstadt der Tiere“. Wir haben mit ihm zu den Anfängen des Tierparks, seinen Persönlichkeiten und seiner öffentlichen Wahrnehmung gesprochen.

Herr Dr. Maier-Wolthausen, auch wenn das Thema Zoo ursprünglich nicht direkt zu ihren Kernkompetenzen zählte, sind Sie im Rahmen Ihrer Arbeit inzwischen quasi zum Zoohistoriker geworden. Können Sie uns etwas über die Umstände der Gründung des Tierpark Berlin erzählen und welche Rolle er in der DDR spielte?

Ein kurzer Hinweis zur Einleitung sei mir gestattet: Die Geschichte unserer Zoos ist für mich immer auch die Geschichte unserer Stadt, darum fühlte sich die Arbeit an der Geschichte der beiden Tiergärten nach einer gewissen Einarbeitungszeit ganz natürlich an. Nun aber zur eigentlichen Frage: Die Gründung war sozusagen „Holterdipolter“. Die noch junge DDR wollte international Anerkennung finden und hatte gleichzeitig mit den Aufständen im Juni 1953 eine Krise. Der Regierung war es ein Dorn im Auge, dass die Ost-Berlinerinnen und -Berliner immer nach West-Berlin an den Ku’damm fuhren, wenn sie einen Zoo besuchen wollten. Und zu einer richtigen Hauptstadt gehört irgendwie eigentlich auch ein Zoo. Also Gründe genug, einen eigenen Tiergarten zu gründen. 1954 wurde dann sehr schnell ein Komitee gegründet, welches den stellvertretenden Direktor des Leipziger Zoos Heinrich Dathe zum Direktor des noch zu gründenden Zoos machte. In einer Rekordzeit von einem Jahr wurde dann der Tierpark geschaffen. Er war zwar zu seiner Eröffnung noch nicht ganz fertig, aber er hatte schon eine beachtliche Zahl an Tieren und wurde bald zu einem der meistbesuchten Zoos Europas.

Der Tierpark war immer auch ein Stück weit eine Bühne auf Tier und Natur geschickt in Szene gesetzt wurden. Regisseur war Direktor Prof. Dr. Heinrich Dathe, der es verstand, die Menschen, medienwirksam in seine Arbeit mit einzubeziehen und ihnen so die Faszination Tierwelt nahe zu bringen. Was haben Sie während Ihrer Recherchen über den "Grzimek des Ostens" gelernt?

Tja, Heinrich Dathe war entweder der „Grzimek des Ostens“ oder der berühmte Frankfurter Zoodirektor und Naturschützer war der „Dathe des Westens“. Beide waren in ihren jeweiligen Ländern berühmt und beliebt, weil sie es verstanden, in Radio und Fernsehen Kindern und Erwachsenen im ganzen Land Tiere näher zu bringen. Beide waren hervorragende Zoologen und tolle Erklärer. Sie waren übrigens auch befreundet. Das kann man aus den Briefen ersehen, die sie sich schrieben. Heinrich Dathe lebte für "seinen" Tierpark und verstand es, sich und ihm in der DDR-Bürokratie immer wieder Sympathien zu sichern. Natürlich eckte er dabei auch mal mit Kollegen diesseits und jenseits des "Eisernen Vorhangs" an. Die West-Berliner guckten übrigens gerne die Sendungen des SFB, des Vorgängers des rbb, in denen „ihr“ Zoodirektor Heinz-Georg Klös Tiere und Lebensräume erklärte.

Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es zwischen ihm und dem heutigen Direktor Dr. Andreas Knieriem?

Das ist eine schwierige Frage. Jede Zoodirektorin und jeder Zoodirektor drücken den Einrichtungen ihren Stempel auf. Dathe war 35 Jahre lang Tierparkdirektor. Er hat den Tierpark praktisch geschaffen. Andreas Knieriem ist jetzt seit sechs Jahren Tierpark-Chef. Immer noch ist einiges zu tun, um das bauliche Erbe der Mangelwirtschaft in der DDR, gegen die Heinrich Dathe stets kämpfen musste, auszugleichen. Aber ich denke, dass die laufenden Bauprojekte zeigen, dass beide Direktoren ähnlich Vorstellungen haben, wie das große Potential des Tierparks genutzt werden kann.

Hat sich an der Akzeptanz, Beliebtheit und Bedeutung des Tierpark Berlin in den vergangenen 65 Jahren etwas geändert?

Seit Ende der 1950er Jahre hatte der Tierpark jährlich mehr als eine Million Besucher und war international hoch angesehen. Nach wie vor gehört er zu den meistbesuchten Zoos Deutschlands. Aber tatsächlich war die Angst 1990 groß, dass der Tierpark im Einigungsprozess "wegrationalisiert" werden könnte wie viele Ostdeutsche Kulturinstitutionen, oder zumindest zu einem "Hirschgarten" degradiert werden könnte. Damals ist leider viel Porzellan zerschlagen worden. Die Politik hat aber schnell erkannt, dass das für sehr viele Ost-Berliner einen Skandal bedeutet hätte und vor allem, wie erfolgreich der Tierpark als Bildungs- und Erholungseinrichtung war und ist. Es galt aber, das Programm und die Werbung miteinander abzustimmen, wie das in allen Städten mit zwei Zoos geschieht. Darum wurde zunächst in Abstimmung mit dem Zoo eine GmbH gegründet und diese dann 1993 von der Zoo-AG übernommen. Und die Zukunft gab ihnen Recht. Der Tierpark beherbergt nach wie vor eine große Anzahl Tiere und beteiligt sich an wichtigen internationalen Erhaltungszuchtprogrammen. Sein Aufbau unterscheidet sich aber von dem des älteren Zoologischen Gartens. Seine großzügigen Anlagen bieten andere Eindrücke als die vielen Tierhäuser des Zoos. Sie ziehen heute nicht nur treue Tierparkfreundinnen und Tierparkfreunde, sondern jährlich auch immer mehr interessierte Besucherinnen und Besucher an, die den Tierpark zum ersten Mal für sich entdecken Er ist nun nicht mehr der „Hauptstadt-Zoo“ der DDR sondern zusammen mit dem Zoologischen Garten und dem Aquarium Berlin Teil einer der größten Zoobetriebe der Welt. Allein seine Größe macht ihn aber zu einem Unikat.

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