Der Künstler in mir

Erfahrungsbericht aus einem SHONA-ART-Workshop

Zoo- und Tierparkmitarbeiter Max Jäger beschreibt in einem persönlichen Bericht seine Erfahrungen mit dem Shona-Art Workshop unter Leitung der Künstler aus Simbabwe im Tierpark Berlin.

Wie alles begann...

Nicht nur als Mitarbeiter, auch als privater Besucher bin ich regelmäßig im Tierpark Berlin unterwegs. Ich liebe die Weitläufigkeit des Parks - ideal um dem Trubel der Großstadt mal für ein paar Stunden zu entfliehen! Aber nun zum eigentlichen Beweggrund für diesen Beitrag: Seit dem Frühjahr konnte ich bei meinen Tierpark-Spaziergängen regelmäßig begeistert Menschen beobachten, die Steine in die verschiedensten Skulpturen verwandeln.

Als Mitarbeiter wusste ich natürlich von Anfang an, dass es sich bei den Steinbildhauern um Teilnehmer eines entsprechenden Workshops handelt. Dieser gehört zu der Skulpturen-Ausstellung SHONA-ART, die momentan Kunst aus Simbabwe im Tierpark Berlin zeigt.

Durch das Beobachten dieser Teilnehmer bekam ich immer mehr Lust, das auch einmal ausprobieren zu wollen. Die ausgestellten Skulpturen der SHONA-ART-Künstler sind zwar schon faszinierend, aber selbst aus einem Stein eine Skulptur zu meißeln ist dann doch noch einmal etwas ganz Anderes.

Und dann kam der Mut

Eine Zeit lang – eigentlich den ganzen Sommer über - hat mich immer wieder der Gedanke, dass meine künstlerischen Fähigkeiten definitiv nicht ausreichen, eingeholt und stand meiner Teilnahme an einem dieser Workshops im Wege. Schließlich konnte ich mich dann doch überwinden und habe mich zusammen mit einer Kollegin angemeldet, die ebenfalls noch keinerlei Vorerfahrung in Sachen Bildhauerkunst hatte.

An einem Samstagvormittag haben wir uns dann also auf den Weg in den Tierpark gemacht. Als wir an dem dortigen Workshop-Gelände der SHONA-ART-Ausstellung angekommen sind, wurden wir auch gleich ganz herzlich von einem Herrn aus Simbabwe begrüßt: Unser Lehrmeister namens Shephard! Wie sich später herausstellte, erschuf er selbst auch einige der Skulpturen der Ausstellung – ein waschechter Shona-Künstler also!

Das Ziel: ein Flusspferd!

Zurück zu uns: Wir fingen damit an, uns einen Stein von einem großen Haufen auszusuchen. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, sich an eine Skulptur zu machen: Entweder, man schaut auf den Stein, lässt sich inspirieren und holt die Form heraus, die der Stein vorgibt. Oder man hat eine Form im Kopf und finden den passenden Stein dazu. Für mich stand bereits schon lange vor der Anmeldung zu diesem Workshop fest, dass ich auf jeden Fall eine Skulptur meines Lieblingstiers meißeln will – ein Flusspferd! So war ich also von Anfang an auf der Suche nach einem Stein, der einem Flusspferd ähnelt. Es dauerte gar nicht so lange bis ich feststellen musste, dass ich in den Steinen alles sehen konnte - außer einem Flusspferd! Da es für mich jedoch definitiv keine Alternative gab, weitete ich meine Fantasie ein wenig aus und fand schließlich einen Stein, der zumindest annähernd die Form eines Flusspferdkopfes hatte.
Meine Kollegin hatte sich ihr Ziel gleich deutlich höher gesetzt: Sie wollte den Kopf eines Heidschnucken-Bocks in Lebensgröße meißeln - Respekt!

Und los ging der Spaß

So, jetzt hatte ich also einen Stein und eine Idee – aber absolut keine Ahnung, wie ich diesen Stein in einen Flusspferdkopf verwandeln könnte. Zum Glück war Shephard uns stets zur Seite. Er fing damit an die unterschiedlichen Werkzeuge vorzustellen, die uns für die Bearbeitung unseres Steines zur Verfügung standen – Hammer, verschiedene Meißelarten und Feilen. Anfangs war meine Motivation ehrlich gesagt noch recht verhalten, da ich die Erfolgschancen doch ziemlich gering einschätzte. Dank der stetigen Hilfe des Künstlers stieg sie jedoch rasch an, denn es ging auf einmal erstaunlich schnell: Nach nur kurzer Zeit war mein Flusspferd bereits deutlich zu erkennen! Als dann auch noch die ersten neugierigen Tierpark-Besucher mein Flusspferd ebenfalls als solches erkannten, war ich fast nicht mehr zu bremsen.

Die Zielgerade

Nach zwei unglaublich aufregenden Workshop-Tagen war meine Skulptur dann auch schon komplett fertig (die Heidschnucke brauchte noch drei zusätzliche Tage, was bei der verschlungenen Windung der Heidschnucken-Hörner jedoch vollkommen nachvollziehbar ist). Zwar merkte ich die getane Arbeit deutlich in meinen Händen, doch überwog der Stolz um ein Vielfaches – niemals hätte ich gedacht mal einen Stein in mein Lieblingstier zu verwandeln.

Na, auch Lust?

Wer jetzt, verständlicherweise, auch Lust auf einen Steinbildhauer-Workshop bekommen hat, findet alle nötigen Informationen hier: https://www.tierpark-berlin.de/de/erlebnis-tierpark/skulpturen-ausstellung

Hier findet ihr eine kleine Galerie einiger anderer Workshop-Teilnehmer mit ihren Kunstwerken.

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