Nur Kuscheln ist nicht!

Vom erstaunlichen Liebesleben der Tiere

Tanzende Flamingos, kämpfende Kängurus oder dominante Hyänenweibchen – das Paarungsverhalten der Tiere ist faszinierend und vielfältiger als man denkt. Wir nehmen den Valentinstag zum Anlass, um einen Blick auf das bunte Treiben in der Tierwelt zu werfen.

Jedes Vorspiel hat ein Nachspiel

Oberste Regel: Der Partner muss beeindruckt werden! Von der Farbenpracht des Gefieders über das eindrucksvolle Geweih bis hin zum Synchrontanz ‒ von dem breiten und kreativen Repertoire an tierischen Anmach-Requisiten kann der gemeine Single im Berliner Nachtleben noch einiges lernen.

Flamingos
Attracting a female flamingo is not a one-man show. Instead, all the males get together to perform a group dance. As soon as one bird gives the signal by stretching out his neck and doing the first few moves, the others are quick to join in. All together now, fellas! Five steps to the left, five to the right, flap your wings, turn your head to the left, turn it to the right, and repeat...

(excerpt translated from Das Liebesleben der Tiere [Love in the Animal Kingdom] by Katharina von der Gathen and Anke Kuhl)

Ich find‘ dich dufte

Auch der Duft spielt nahezu immer eine wichtige Rolle: Das passende Parfüm darf auf keinen Fall fehlen! So prüft der Dromedar-Hengst ständig am Hinterteil der Stuten, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Und spätestens am Geschmack des Urins weiß er, wann es soweit ist. Sicher ist sicher! Die intensiv riechende Flüssigkeit der Moschustiere, die sie im ganzen Wald verteilen, ist sogar so „sexy“, dass sie auch in Parfüms für Menschen zu finden ist.

Musk deer
Sometimes it’s possible to detect hormones in the body of a young male without having extra-sensitive antennae. Male musk deer have a particularly effective way of getting the message across. They secrete a strong-smelling liquid from a gland between their genitals and navel, and rub this on bark and bushes all over the forest to mark their territory and let females know they are ready to mate. Female musk deer find the intense smell irresistible. The fragrance also has an effect on humans, even when strongly diluted. Musk is used as a sensual base note in many expensive perfumes, increasing their wearer’s sex appeal.

(translated excerpt from Das Liebesleben der Tiere [Love in the Animal Kingdom] by Katharina von der Gathen and Anke Kuhl)

Sing when you´re winning

Neben einem attraktiven Äußeren und dem betörenden Duft ist eine grundlegende Disziplin auch der Gesang. Und das gilt nicht nur für die gesamte Vogelwelt: Legendär sind ebenso die wunderschönen Liebeslieder der Buckelwale. Auch das Geschrei der Gibbons ist nur ein Vorspiel, bevor es richtig losgeht.

Gibbons:
Diese Affen singen eindrucksvoll im Duett. Wie laut quietschende Sirenen tönen sie durch den Urwald und können sich auch noch im dichtesten Dickicht über große Entfernungen hinweg verständigen. Hat ein Gibbonpaar sich erst einmal gefunden, stimmt es seine sich steigernden Jaul- und Zwitschertöne immer wieder in langen Strophenfolgen aufeinander ab. Je affen-harmonischer Männchen und Weibchen gemeinsam singen, desto besser verstehen sie sich auch als Paar.

(aus „Das Liebesleben der Tiere von Katharina von der Gathen und Anke Kuhl)

Heult nicht, kämpft!

Doch was ist, wenn die Konkurrenz einem einen Strich durch die Rechnung macht? Was ist, wenn der Typ von nebenan deiner Angebeteten an die Wäsche will? Wenn die Hormone in der Tierwelt verrücktspielen, sollte man lieber in Deckung gehen. Ein Boxkampf unter Kängurus, ein Zusammenprall der Köpfe bei den Moschusochsen oder Zebrahengste, die ihre Hälse aufeinanderschlagen – mit Pech geht das kraftvolle Werben um die Partnerin blutig aus.

Spitzmaulnashörner:
Nashörner setzen ihr imposantes Horn (bei den Spitzmäulern ist es sogar in doppelter Ausführung vorhanden) vor allem in der Paarungszeit als Kampfgerät ein. Laufen sich zwei liebesnervöse Bullen über den Weg, so kommt es nicht selten zu einer blutigen Auseinandersetzung. Mit gesenkten Köpfen nähern sich die beiden Kontrahenten zunächst zögernd, schwenken mit ihrem Horn immer wieder von der einen zur anderen Seite und scharren drohend mit ihren Hinterfüßen. Auf einmal preschen sie aufeinander zu. Im Ernstfall endet dieser Kampf für eines der beiden Nashörner tödlich, denn die spitzen Hörner hinterlassen tiefe und klaffende Wunden im Körper des Gegners. Manchmal bleibt es aber auch lediglich bei der Drohung: Dann stoppen die beiden Bullen plötzlich kurz vor dem Zusammenstoß und drehen wieder ab. Sie müssen nämlich mit ihren kurzsichtigen Augen erst einmal erkennen und riechen, wer ihnen da gegenübersteht. Schließlich gegen sie sich damit zufrieden, mit dieser Aktion beim anderen gehörig Eindruck hinterlassen zu haben.
(aus „Das Liebesleben der Tiere von Katharina von der Gathen und Anke Kuhl)

Let´s talk about sex

Doch wenn das wie auch immer geartete Vorspiel beendet ist, geht es los: Löwen treiben es bis zu 40 Mal am Tag, Bonobos nutzen Sex auch zwischendurch mal kurz zur Konfliktlösung. Auch hier könnte sich der Homo sapiens eine Scheibe abschneiden. Doch in der Tierwelt geht es auch andersherum. Ein Pandaweibchen mag und kann nur zwei bis drei Tage im Jahr.

Ameisenigel:
Bevor eine Ameisenigelin sich ein Männchen auswählt, müssen alle aktuellen Bewerber Durchhaltevermögen beweisen und in einer Karawane hinter ihr herlaufen.  Während sie den Kopf der Polonaise bildet, laufen ihr bis zu zehn Männchen hinterher. So geht das wochenlang über Hügel und Täler, durch Büsche und Bäume. Das ist ganz schön anstrengend für alle Beteiligten! Und weil sie sich irgendwann entscheiden muss, lässt die Ameisenigelin wie in einer Gladiatorenarena einen schönen Graben um sich herum graben, in dem die Freier um sie kämpfen und ihr zeigen dürfen, wer von ihnen der Beste ist. Irgendwann entscheidet sich das Weibchen. Sie legt sich flach auf den Boden, sodass der Auserwählte vom Graben aus ihr Hinterteil anheben und endlich zum Zuge kommen darf. 

(aus „Das Liebesleben der Tiere von Katharina von der Gathen und Anke Kuhl)

Vom lebenslänglich treuen Pinguin bis zum promiskuitiven Bonobo, von der frauendominierten Tüpfelhyänenherde bis zu kopulierenden männlichen Löwen – das Liebesleben der Tiere ist erstaunlich facettenreich. Auch wenn am Ende immer nur ein Ziel steht: der Erhalt der eigenen Gene.

Zum Valentinstag haben wir Katharina von Gathen und Anke Kuhl ein paar Fragen zu ihrem Buch „Das Liebesleben der Tiere“ gestellt.
Wie kamen Sie auf die Idee ein Buch über das Liebesleben der Tiere zu schreiben? Gab es ein „Schlüsselerlebnis“?
Anke Kuhl: Das war Katharinas Idee :-) 

Katharina von Gathen: Ich mag Tiere sehr gern, habe aber beruflich eigentlich gar nichts mit ihnen zu tun – viel eher mit Kindern. Ich gehe nämlich regelmäßig an Grundschulen, um dort Aufklärungsprojekte zu machen. Wenn wir über die Menschen reden, also darüber, wie Männer und Frauen Kinder bekommen, wie das Baby im Bauch größer wird und schließlich auf die Welt kommt, fragen die Kinder so gut wie immer auch nach den Tieren: „Wie haben denn Schlangen Sex?“, „Wieso krachen Elefanten dabei nicht ein?“ und „Wie viele Babys können Schnecken bekommen?“. Über diese Kinderfragen bin ich dazu gekommen, das Liebesleben der Tiere genauer unter die Lupe zu nehmen: wie Tiere einen Partner finden, wie sie sich paaren, wie sie Kinder bekommen und Familie leben. Diese bunte Welt, die sich da auftut, ist unglaublich faszinierend.
Gibt es eine oder mehrere Szenen aus dem Buch, die Sie selbst schon einmal live in einem Zoo oder in der Wildbahn miterlebt haben?
Katharina von Gathen: Natürlich habe ich schon diverse Käfer, Wanzen oder Kröten aufeinander hocken sehen, Tauben, die gestapelt herumflattern, oder Pferde, die sich auf der Weide bespringen. Wenn man einmal für dieses Thema sensibilisiert ist und mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, weiß man, dass es bei jedem Froschgequake, bei jedem Röhren im Wald und jedem Pfauenrad eigentlich immer nur um „das Eine“ geht.
Ein Aha-Erlebnis beim Schreiben des Buches war für mich die Erkenntnis, dass das, was die Dromedare in der Brunftzeit seitlich aus dem Maul hängen lassen, nicht ihre Zunge ist (so sah es zumindest für mich immer aus). Es ist ein „Brüllsack“, mit dem sie laut blubbernde Geräusche machen, um ihre Paarungsbereitschaft in der Herde kundzutun.

Anke Kuhl:  Im Frankfurter Zoo kommt man an den Liebesspielen der Bonobos nicht vorbei. Und die meisten Insekten sind auch nicht gerade diskret bei der Fortpflanzung. In einem Urlaub in Südfrankreich hatte ich vor einigen Jahren mal ein lustiges Erlebnis. Ich saß mit meiner Familie auf der Terrasse. Wir hörten immer wieder ein ganz schön lautes Keuchen und Stöhnen und fragten uns, welche Nachbarn wohl diese Geräusche machten. Später stellte sich heraus, dass es Schildkrötenmännchen waren, die der Vermieter auf dem Grundstück hielt und die sich immer wieder mit dem Besteigen der Weibchen abmühten. Wirklich erstaunlich!
Was können wir von den Tieren lernen? Finden Sie, dass sich Menschen von bestimmten Tierarten beim Liebesspiel etwas abgucken könnten? Wenn ja, was?
Katharina von Gathen: Tiere müssen sich ganz schön ins Zeug legen, um einen Paarungspartner zu finden. Wale singen, Flamingos tanzen, Paradiesvögel werben für sich mit schillernden Farben, Seidenspinner mit Düften und Moschusochsen scheuen nicht einmal eine körperliche Auseinandersetzung. Menschen sind da nicht anders: Sie machen sich samstagabends schick zurecht, legen Parfüm auf und zeigen auf der Tanzfläche in der Disko ihren Hüftschwung. Manchmal prügeln sie sich auf dem Schulhof um die Gunst eines anderen Menschen. Eigentlich ist das nicht anders als im Tierreich.
Andererseits bin ich sehr froh, dass wir Menschen uns in einigen Verhaltensweisen von den Tieren absetzen: Ich möchte mit keiner Kugelbauchmilbe und keinem Gottesanbeter-Männchen tauschen!!

Anke Kuhl:  Ich dachte mir beim Zeichnen immer: unglaublich, was es für eine Vielfalt im Liebesleben der Tiere gibt. Alles wird mit großer Selbstverständlichkeit gelebt und von niemandem in Frage gestellt. Den Menschen würde mehr Unaufgeregtheit angesichts der vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenlebens und -liebens auch guttun.
Aus welchen drei im Buch beschriebenen Tierarten würden Sie sich gern Ihren Traumpartner zusammenbasteln?
Katharina von Gathen: Ich würde den kreativen Kugelfischmann nehmen, der um mich mit einem wunderschönen Kunstwerk wirbt, dann würde ich gerne mit einer Elefantenkuh in einer starken Gemeinschaft leben und schließlich mit einem Kaiserpinguin die Fürsorge für unsere Brut teilen.

Anke Kuhl:  Mein Traumpartner würde wie ein Flamingo tanzen, dabei wie ein Buckelwal singen und so gut den Kopf kraulen (Kompromiss?) wie ein Javaneraffe.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit!

Kommentar verfassen

* Pflichtangaben

Kommentare

Keine Kommentare