Nomen est omen?

Was uns Tiernamen verraten

Titicaca-Riesenfrosch, Kleinkantschil, Azara-Aguti, Epaulettenflughund,... Bei einer Erkundungstour durch Zoo und Tierpark stößt man mitunter auf skurrile Namen. Dieser Beitrag ist den Tiernamen und ihrer Herkunft gewidmet.

"Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften", sagte einst Julia zu ihrem geliebten, aber leider mit unpassendem Nachnamen geborenen Romeo. Was der Künstler uns damit sagen will: Namen sind egal, der Inhalt zählt! Shakespeares poetische Feststellung mag in der Literaturwelt gelten, Botanikern und Zoologen bescherte das Namenschaos allerdings über Generationen Kopfzerbrechen. Wie soll auch ein sinnvoller Austausch über die Rose zustande kommen, wenn der eine sie Tulpe und der andere sie Nelke nennt?

Vielfältige Verwirrung

Während bei Laien und Botanikern inzwischen relative Einigkeit über den Namen Rose besteht, gibt es für viele andere Lebewesen selbst innerhalb eines Sprachraumes regional unterschiedliche Bezeichnungen. Der Katzenbär, der Rote Panda, der Kleine Panda, der Goldhund und der Feuerfuchs sind beispielsweise ein und dasselbe Tier. Sobald sich Zoologen über die deutschen Grenzen hinaus austauschen und über den firefox, lesser panda, red bear-cat oder red panda diskutieren, ist die Verwirrung dann perfekt.

Praktisch einzigartig

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Pflanzen und Tieren ist es daher hilfreich, die Dinge bei nur einem einzigen Namen zu nennen. Wer die Tierschilder in Zoo und Tierpark aufmerksamer betrachtet, weiß, dass dort für jedes Tier nicht nur ein deutscher Name steht, sondern immer auch ein zweiter, wissenschaftlicher Name. Der Löwe heißt da Panthera leo, der Asiatische Elefant Elephas maximus und der Katta Lemur catta.

Ordnung ist das halbe Leben

In erster Linie war es der schwedische Naturforscher Carl von Linné, der Ordnung in das Namenschaos brachte. Er führte 1758 die wissenschaftlich eindeutigen Bezeichnungen ein, die bis heute gelten und meist lateinische oder griechische Wörter borgen. Beides waren zur damaligen Zeit Modesprachen der Gelehrten in der westlichen Welt.

Die binäre Nomenklatur

Eine Art wird in der Zoologie seither immer mit zwei Namen beschrieben. Der erste steht für die Gattung, der zweite für die Art. Für das Wildpferd steht also Equus für die Gattung der Equiden, zu der auch Esel und Zebras zählen und ferus für die Art. Sieht man drei Namen, handelt es sich in der Regel um eine Unterart z.B. Equus ferus przewalskii - das Przewalskipferd.

Der andere Panda

Zoologen sind Linné und seinen Mitstreitern für diese Erfindung seither sehr dankbar. Denn so gibt es den Ailurus fulgens weltweit nur einmal und in Indien, Australien und Deutschland weiß jeder sofort, von welchem hübschen, rotbraunen Tier die Rede ist.

Nicht ganz trivial

Gebräuchlich ist im Alltag - jenseits von Zoologen-Stammtischen - allerdings immer noch der sogenannte "Trivialname". Trivial bedeutet hier sowas wie einfach, allgemein verständlich und altbekannt. Doch auch diese Namen sind nicht immer ganz selbsterklärend. Woher kommen sie eigentlich?

Aussehen und Verhalten als Inspirationsquelle

Ein Panzernashorn ist ein gepanzertes Tier mit einem Horn auf der Nase - das leuchtet ein. Welche Form die Gesichtsbehaarung des Kaiserschnurrbarttamarins hat, ist denkbar. Auch beim Anblick einer Dolchstichtaube erschließt sich die Herkunft ihres Namens auf Anhieb. Der Dikdik wiederum hat seinen lautmalerischen Namen seinem Alarmruf zu verdanken. Die ersten Versuche, Tiere zu benennen, bestanden tatsächlich in einer Aneinanderreihung detaillierter Beschreibungen von Aussehen und markanten Eigenschaften wie Fortbewegungsart oder Leibspeise - Kurzohr Rüsselspringer und Blauohr-Honigfresser können ein Lied davon singen.

Wohnort als Namensgeber

Wo der Asiatische Elefant anzutreffen ist, liegt auf der Hand. Und dass der Flachland-Anoa einen anderen Lebensraum bevorzugt, als der Berggorilla ergibt Sinn. Auch Polarwolf, Eisbär und den Sibirischen Manul werden wir kaum im tropischen Regenwald suchen. Noch konkreter werden die geografischen Zuordnungen bei Galapagos-Riesenschildkröte, Vietnam-Sika und Sumatratiger. Beim Montserrat-Trupial ist sein Name schließlich fast schon seine Postanschrift: Er lebt ausschließlich auf der winzigen Karibikinsel Montserrat.

Menschliche Namensvettern

Prinz-Alfred-Hirsch, Edwardsfasan, Dybowskis Tropfenastrild - Manchmal leihen Entdecker oder Herrscher den Tieren ihren Namen. So reichte es beim Grévyzebra, dass der ehemalige französische Präsidenten Jules Grévy in den 1880er Jahren ein solches Zebra von einem afrikanischen Kaiser geschenkt bekam. Etwas aktiver war der russische Expeditionsreisende Przewalski als Namenspate: Er brachte Schädel und Fell des gleichnamigen, damals noch unbekannten Wildpferdes mit nach Europa.

Fremde Wurzeln

Und dann sind da noch Namen, auf deren Herkunft man sich einfach keinen Reim machen kann, wie beim Kiang, Kulan oder Pekari. Dabei handelt es sich oft um eingedeutschte Namen, die von den landessprachlichen Bezeichnungen der lokalen Bevölkerung abgeleitet wurden. So beschreibt der Name Tamandua in der brasilianischen Tupi-Sprache die Eigenschaft Ameisen zu fangen - eine der Lieblingsbeschäftigungen dieser mittleren Ameisenbärenart.

Woher auch immer die Tiernamen stammen mögen, Zoo und Tierpark bleiben eine nahezu unerschöpfliche Inspirationsquelle für die nächste Runde Galgenraten. Hier fünf unserer Geheimtipps:

●    Eulenkopf-Meerkatze
●    Roborowski-Zwerghamster
●    Tuberkel-Hokko
●    Hottentottenente
●    Kafue-Litschi-Moor-Antilope

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