Lausige Freundschaften

Vielleicht ist es Ihnen bei einem Tierpark-Besuch schon einmal aufgefallen: Affen widmen sich gern und ausgiebig der gegenseitigen Fellpflege. Doch was hat es damit auf sich? So viel sei erst einmal verraten: Es geht nicht nur darum, Schmutz und lästiges Ungeziefer loszuwerden.

Wie du mir, so ich dir…

Das hingebungsvolle Kraulen unter Affen dient vielmehr dazu, Freundschaften zu pflegen, Allianzen zu schmieden und sich Unterstützung zu sichern. Wer wen wie lange laust, spielt eine sehr große Rolle innerhalb einer Affengruppe. Die gegenseitige Fellpflege ist nämlich eine wichtige Strategie für den Gruppenzusammenhalt. Beim Massieren und Kraulen entspannen sich die Sippen-Mitglieder, und es entstehen vertrauensvolle Beziehungen untereinander. Bis zu einem Fünftel ihrer Zeit verbringen Affen damit, das Fell ihrer Artgenossen zu pflegen. Dabei können sie sich genau daran erinnern, wem sie noch einen Gefallen schulden, und revanchieren sich für die Fellpflege.

Schon mal was von Grooming gehört?

Der Fachausdruck für dieses Verhalten ist „Grooming“ (englisch to groom = bedienen, pflegen). Verglichen mit einer menschlichen Unterhaltung gibt es zum Beispiel einen Smalltalk ebenso wie ein tiefgründiges Gespräch.
Ein Grooming-Gefallen muss nicht immer auf die gleiche Weise zurückgezahlt werden. Es kommt stattdessen zu regelrechten Tauschgeschäften: Die Tiere erkaufen sich Unterstützung beispielsweise auch mit Futter oder tauschen diese leckeren Güter gegen Sex. Sowohl Männchen als auch Weibchen handeln mit verschiedenen Waren oder Diensten.

Immer diese Hormone

Kommen wir abschließend noch zum wissenschaftlichen Teil. Beim Grooming wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, eine Substanz, die soziale Bindungen stärkt. Die Oxytocin-Ausschüttung ist generell umso höher, je näher sich die Affen stehen.

Lassen Sie sich nun bei Ihrem nächsten Tierpark-Besuch beispielsweise von den Gesichtsausdrücken unserer Dscheladas während des Groomings verzücken.

Blauaugenmakis im Tierpark
Seit Ende August staunen die Besucher im Affenhaus des Tierparks über zwei seltene, vom Aussterben bedrohte Blauaugenmakis – Zazou und Olivier bereichern nun die deutsche Hauptstadt. Ob Kuscheln, Klettern oder gegenseitiges groomen – die Lemuren verstehen sich prächtig und fühlten sich bereits nach kurzer Zeit sehr wohl in ihrer neuen Heimat.

Schau mir in die Augen
Blauaugenmakis sind die weltweit einzige Affenart mit türkisblauen Augen und in Deutschland nur in zwei Zoos zu bewundern. Sie leben paarweise zusammen, die weiblichen Tiere sind dabei stets die dominanteren. Optisch lassen sich die Geschlechter leicht auseinanderhalten: Die Weibchen tragen eine braun-gelbliche, die Männchen eine schwarze Fellfarbe.

Hoffnung auf Nachwuchs

Blauaugenmakis bewohnen die Regenwälder Nord-West-Madagaskars. Vor allem aufgrund des anhaltenden Lebensraumverlusts gelten sie heute als vom Aussterben bedroht und gehören damit zu den am stärksten gefährdeten Lemurenarten. Um eine stabile Reservepopulation aufzubauen, arbeiten zoologische Einrichtungen global zusammen und stehen stets im engen Austausch mit den Behörden Madagaskars. Auch die beiden Berliner Tiere wurden mit der Hoffnung auf baldigen Nachwuchs zusammengeführt.

Europaweit in nur zehn Zoos zuhause
Der Tierpark Berlin ist Mitglied und somit Unterstützer der AEECL, einer Organisation, die ein Artenschutzprojekt für Blauaugenmakis auf der madagassischen Halbinsel Sahamalza ins Leben gerufen hat. „Nicht nur im natürlichen Lebensraum sind Blauaugenmakis äußerst selten, sondern auch in zoologischen Einrichtungen“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „So trifft man diese faszinierende Primatenart derzeit europaweit in nur zehn Zoos an.“
Die beiden 20-jährigen Blauaugenmakis bewohnen im Tierpark die ehemalige Anlage der Mohrenmakis. Letztere sind auf eine andere Anlage im Affenhaus gezogen.

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