Iberische Wölfe sind in den Tierpark gezogen

Ein stechender Blick, struppiges grau-braunes Fell und spitze Zähne. Der Wolf hat seit jeher in allen Kulturen die Fantasie der Menschen angeregt und beflügelt. Ob kleines Geißlein oder unschuldiges Mädchen mit roter Kappe – im Märchen waren sie dem bösen Wolf meistens schutzlos ausgeliefert.

In der Realität beschnuppert Rüde Enrique (6 Jahre) einen liegenden Baumstamm vorsichtig, zwickt  seine zweijährigen Söhne behutsam in die Schnauzen und sucht sich dann einen friedlichen Platz in der Frühlingssonne. Die drei Wolfsrüden, die letzte Woche aus dem Zoo Lissabon in den Tierpark Berlin gezogen sind, haben mit der gruseligen Schilderung aus Grimms Märchen so gar nichts zu tun.

Das Schaf im Wolfspelz

Der Wolf hat zu Unrecht mit einem schlechten Ruf zu kämpfen. Die scheuen Rudeltiere sind sehr intelligent und besitzen ein äußert ausgeprägtes Sozialverhalten. In weiten Teilen Europas wurden die sensiblen Tiere nahezu ausgerottet. Nicht zuletzt wurde der zweifelhafte Ruf durch die Darstellung in den zahlreichen Märchen der Gebrüder Grimm bestätigt. „Inspiriert von den Vornamen der Gebrüder Grimm haben wir die beiden Wolfsbrüder auf die Namen Jacob und Wilhelm getauft. Ich finde die Namen für unsere Tierpark-Wölfe äußerst passend“, kommentiert Tierpark-Direktor Dr. Andreas Knieriem die Namenswahl des Bruderpaars.

Adeus Lisboa, willkommen Berlin!

Ihrer alten Heimat, dem Zoo Lissabon, mussten sie Adeus sagen, da das dortige Rudel einen neuen Alpharüden bekommen hat. Um Inzucht zu vermeiden und eine genetisch möglichst diverse Population zu erhalten, muss genau kontrolliert werden, welche Tiere sich fortpflanzen. Der Tierpark Berlin ist der einzige Zoo in Deutschland, in welchem diese Unterart des Wolfes zu sehen ist. In ihrer neuen Heimat haben die drei Rüden nun eine 3000 qm große, naturnahe Anlage inklusive Sandkuhle und altem Baumbestand bezogen. Die Experten des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms haben den Tierpark Berlin als neues Zuhause für die Männergruppe ausgewählt. Der Iberische Wolf unterscheidet sich optisch vom Europäischen Wolf durch sein schlankeres Erscheinungsbild sowie seine dunklen Abzeichen, insbesondere an den Vorderbeinen. Ihr Fell ist oftmals auch eher rotbraun als graubraun, wie etwa bei Wölfen aus Zentraleuropa.

Sie sind wieder da

Der Iberische Wolf (Canis lupus signatus) wird von der IUCN als potenziell gefährdete Tierart eingestuft. Nachdem er im Grenzgebiet zwischen Spanien und Frankreich in den 1960er Jahren nahezu ausgerottet war, haben sich die Bestände durch Schutzbemühungen heutzutage etwas erholt. Inzwischen bewohnen wieder etwa 2500 Wölfe vor allem den nordwestlichen Teil der iberischen Halbinsel (Portugal und Spanien). Leider werden die Wölfe teilweise auch wieder bejagt. Aus diesem Grund hat sich der Tierpark Berlin bewusst für die Haltung dieser gefährdeten Unterart des Eurasischen Wolfs entschieden und ist damit zugleich ein Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes der EAZA für diese Tierart.

Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende

Noch ist die Dreier-Männer-WG in der Phase der Eingewöhnung in ihr neues Revier: Die drei Wölfe laufen überwiegend einzeln über die Anlage und erkunden sie. Die Ausbildung einer möglicherweise neuen Rangordnung wäre dabei nichts Ungewöhnliches.

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Kommentare

15.06.2017Petra Hilbig

Schön, dass wieder Wölfe im Tierpark zu sehen sind. Was ist aber mit dem Pärchen geschehen, dass vorher das Gehege bewohnte? Ich hatte gehofft, bald Nachwuchs der beiden zu sehen.