Die Könige auf dem ewigen Eis

Eishockey vs. Tierpark – Der Faktencheck

Die Verlängerung läuft. Ab jetzt heißt es: Das nächste Tor gewinnt. Jeder Fehler kann hart bestraft werden. Doch Marcel Noebels passt zielgenau zu Micki DuPont, der am linken Bullykreis steht. Ohne mit der Wimper zu zucken versenkt der kanadische Verteidiger die schwarze Hartgummischeibe im gegnerischen Tor. „Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste!“

Hey, wir wollen die Eisbären sehen

Diese Saison läuft gut bei den Eisbären Berlin: Unser Lieblings-Eishockeyclub ist Tabellenführer in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Vielleicht hat auch ihr neuer Glücksbringer Anteil am Erfolg: Seit Ende September ist der DEL-Rekordmeister Tierpate unserer Eisbärdame Tonja, die am letzten Donnerstag erneut Mutter geworden ist. Passend dazu findet sechs Tage später – zum Heimspiel gegen die Krefeld Pinguine – ein Tierpark-Aktionstag in der Berliner Eishockey-Arena statt. Zeit für einen tierischen Faktenvergleich zwischen der faszinierenden Sportart des Eishockeys und dem Tierpark Berlin.

Eisbären Berlin und Tierpark Berlin – zwei Berliner Originale

Der Tierpark Berlin und die Eisbären Berlin haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick sieht. Mit sieben DEL-Titeln sind die Eisbären Berlin Rekordmeister. Im Tierpark Berlin sind bislang sieben Eisbären groß geworden. Kein Rekord, aber herausragende Arbeit für den Artenerhalt.

Die Eisbären Berlin wurden am 3. September 1954 als SC Dynamo Berlin gegründet, damit sind sie fast genau zehn Monate älter als der Tierpark Berlin, der am 2. Juli 1955 seine Pforten zum ersten Mal öffnete. Zwei Berliner Originale, die zwar alt sind, aber trotzdem nie aus der Mode kommen. Der größte Landschaftstiergarten Europas und der traditionsreiche Eishockeyverein, der in der zweitgrößten Multifunktionsarena Deutschlands spielt. Doch während in die Eishockey-Arena bei Spielen der Eisbären 14.200 Zuschauer passen, leben im Tierpark Berlin „nur“ 9.000 Tiere. Die Besucherzahlen liegen im Tierpark gerade im Sommer allerdings auch schon mal jenseits der 10.000.

Eishockey-Regeln
Im Eishockey stehen fünf Feldspieler und ein Torwart gleichzeitig auf dem Eis. Man kann den Torwart auch herausnehmen und durch einen Feldspieler ersetzen. Eishockeyteams bestehen oft aus 20 oder mehr Spielern, die alle im Verlaufe eines Spieles zum Einsatz kommen. Eishockey ist ein sehr intensiver Sport. Die Spieler sind meistens nicht länger als eine Minute am Stück auf dem Eis und werden dann schon wieder ausgewechselt. Man bezeichnet diese Wechsel als Reihenwechsel. Diese Reihen bestehen aus fünf Spielern, die zumeist mit einem Mal aus- bzw. eingewechselt werden. Die Spielzeit beträgt 60 Minuten, die in drei mal 20 Minuten ausgetragen werden. Zwischen den Dritteln gibt es jeweils eine Pause von 15 Minuten. Wird das Spiel wegen einer Regelwidrigkeit unterbrochen, wird die Uhr angehalten. In diesen Unterbrechungen finden meistens auch die Spielerwechsel statt. Deswegen dauert ein Spiel wesentlich länger als 90 Minuten. Außerdem gibt es nach jedem Spieldrittel einen Seitenwechsel. Wenn es nach 60 Minuten unentschieden steht, geht es in die Verlängerung (Overtime) oder das Spiel wird durch Penaltyschießen (Shootout) entschieden.
Schon gewusst?
- Das "Kicken" des Pucks mit dem Fuß ist erlaubt. Nur Tore, die so erzielt werden, sind ungültig.
- Der Eishockeyschläger darf nie über Schulterhöhe gehalten werden, sonst gibt es eine Zeitstrafe von 2 bis 5 Minuten. Bei übertriebener Härte, wie einem brutalen Foulspiel, kann der Spieler sogar für das gesamte Spiel gesperrt werden.

Ein Eisbär könnte Eisbären-Fan sein

Ein Eishockeyspiel hat eine effektive Spielzeit von 60 Minuten, kann jedoch bis zu 120 Minuten dauern. Ein Eisbärbaby trinkt alle zwei Stunden Muttermilch. So hätte der Kleine Zeit, genau ein Spiel der Eisbären mitzubekommen, bevor es wieder an Muttis Milchtheke geht. Übrigens: Die Verweildauer der Tierpark-Fans ist mit durchschnittlich vier Stunden gut doppelt so hoch wie die der Zuschauer in der Eishockey-Arena.

Eine ganze Eishockeymannschaft mit einem Wurf

Wenn Nacktmulle Eishockey spielen würden, hätten sie keine Nachwuchssorgen. Der aktuelle Kader der Eisbären Berlin besteht aus 27 Spielern. Im Juli schaffte die Nacktmull-Königin in einem Wurf ganze 26 Kinder. Fast ein ganzes Eishockeyteam – Respekt! Doch mit einem Gewicht von 35 g kann der Nacktmull beim Eishockey wohl schwer bestehen. Die gesamte Eishockeymannschaft der Berliner Eisbären bringt 2.322 kg auf die Waage. Selbst ein Panzernashorn kommt mit seinen 2.100 kg nur knapp an diese geballte Power heran.

Schnell wie ein Eisbär, flink wie ein Gepard, rasant wie ein Puck

Doch nicht nur in puncto Mannschaftsstärke hat die Tierwelt Eishockeyqualitäten. Auch in Sachen Geschwindigkeit hat der Tierpark einiges zu bieten. Auf seinen Schlittschuhen schaffen Eishockeyspieler Geschwindigkeiten von 30 bis 50 km/h – da kann die Tierwelt locker mithalten. Ein Gepard kann Spitzengeschwindigkeiten von 115 km/h erreichen – zugegeben, eine glatte Eisfläche würde ihn allerdings ein wenig einschränken. Bei der Geschwindigkeit des Pucks hat der Tierpark jedoch keine Chance: Innerhalb der letzten drei Jahre war der härteste Torschuss der Eisbären 141 km/h schnell ‒ aussichtslos für jeden Tierparkbewohner!

Wo wir gerade beim Puck sind: Das Spielgerät ist eine Hartgummischeibe, die genau 1 Zoll (2,54 cm) hoch ist und einen Durchmesser von 3 Zoll (7,62 cm) hat. Ägyptische Landschildkröten haben zwar eine ähnliche Form, sind jedoch mit rund 10 cm geringfügig größer. Und auch deutlich langsamer. Selbst ihre großen und schnelleren Verwandten, die Seychellen-Riesenschildkröten schaffen nur 0,5 km/h die Stunde. Während der Puck und die Spieler nur Sekunden brauchen, um über das 60 Meter lange Spielfeld zu kommen, würde die Schildkröte rund sieben Minuten für dieselbe Strecke benötigen.

Schwer wie ein Eisbärjungtier

Doch Eishockeyspieler und ihr Spielgerät sind nicht nur schnell. Die durchtrainierten Eisbärenspieler tragen in jedem Spiel auch eine Menge an Ausrüstung mit sich: Helm, Schutzkleidung, Schlittschuhe, Eishockeyschläger. Mit Montur wiegt ein Eishockeyspieler 100 kg – etwa so viel wie ein ausgewachsener Schwarzbär. Ein Eisbär bringt mit 200 bis 250 kg mehr als das Doppelte auf die Waage. Fünf bis acht Kilo wiegt die Ausrüstung eines Eishockeyspielers. Das entspricht in etwa dem Gewicht eines Eisbärenjungtiers nach 2 bis 3 Monaten.

Sven „Felle“ Felski - Ein echter Eisbär
Rekordspieler Sven „Felle“ Felski ist durch und durch ein echter Eisbär. Selbst sein Geburtsdatum passt perfekt. Der November ist der Monat, in dem die meisten Eisbären geboren werden. Mit dem 18.11.1974 liegt Felle zwischen den Geburtstagen von Patentier Tonja (14.11.) und ihrem Eisbär-Freund Wolodja (27.11.2011).

Außen hart und innen Eisbär

Die Panzerung der Eishockeyspieler ist zwischen 2 bis 7 cm dick und schützt effektiv gegen schwere Verletzungen. Die Knochenplatten des Mississippi-Alligators messen nur 2 cm, der Panzer der Seychellen-Riesenschildkröte gar nur 1 cm. Sie ist jedoch, ähnlich einem Fingernagel, sensibel – die Tiere spüren Wärme, Kälte und Kontakt. Bei einem Bodycheck wären die Reptilien ganz klar unterlegen.

Nun zum Wichtigsten: dem Eishockeyschläger. Er ist in der Regel 36,5 Zoll – also fast 93 cm lang. Da können die Oryxantilopen mit ihren 65 bis 85 cm langen Hörnern zwar nicht ganz mithalten, aber ihr „Spielgerät“ hält ein Leben lang stand, während ein Spieler der Eisbären bis zu 20 Schläger pro Saison verbraucht.

Ein Tor würde dem Spiel guttun

Ein Eishockeytor ist 1,22 m hoch und 1,83 m breit. Mit einer Größe von 1,40 m Höhe und 1,60 m Länge wäre ein Malaienbär der perfekte Torwart. Bei einem Afrikanischen Elefantenbullen würde das Eishockeytor gar zwischen seine Beine passen. Da traut sich kein Gegner mehr aufs Tor zu schießen – der Hannibal-Effekt. Mit solchen Körpermaßen kann Petri Vehanen im Tor der Eisbären zwar nicht mithalten, das macht er allerdings mit seinen Reflexen wieder wett.

Als einer der schnellsten Mannschaftssportarten ist natürlich auch die Zeit beim Eishockey wichtig. 30 bis 40 Sekunden sind die Eishockeyspieler im Optimalfall pro Einsatz auf dem Spielfeld. Bei vielen Tieren ist der „Einsatz“ ähnlich lang. So dauert der Akt bei Baumstachlern ähnlich lang. Effizienz schlägt Romantik. Doch die Eisbärenspieler können mehrfach – zwischen 5 und 27 Minuten stehen sie pro Spiel auf dem Feld.

Training ist alles – ich geh erst mal schlafen

Während die Eisbären Berlin rund 20 Stunden die Woche trainieren, ist das genau die Zeit, die Giraffen in der Woche schlafen. Ausgeschlafen sieht anders aus. Fit sind sie trotzdem. Mit rund 50 km/h können sie die Eisbären-Spieler im Galopp überholen. Insgesamt geht die Eishockey-Saison acht, höchstens zehn Monate. Die Saison der Präriehunde geht immer acht Monate. Von November bis März – in der Hochzeit der Deutschen Eishockey Liga – gehen die putzigen Nager in den Winterschlaf.

Zahn um Zahn

Die Mannschaft der Eisbären Berlin verliert im Durchschnitt drei Zähne pro Saison. Bei den Baumstachlern und Stachelschweinen wachsen die Zähne ein Leben lang. Doch bei Verlust bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, als mit Zahnlücke zu leben. Einem Elefanten geht es da besser – seine Zähne wachsen nach. Am einfachsten machen es sich die Kurzschnabeligel und Tamanduas – sie haben gleich gar keine Zähne. Wo keine sind, da kann man auch keine verlieren.

Bananen passen perfekt zur Ernährung der Spieler der Eisbären Berlin. Ein Eishockeyverein kann bis zu 500 kg Bananen pro Saison verbrauchen. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der 8.182 kg der Bananen, die der Tierpark all seinen Bewohnern im letzten Jahr zu fressen gab. Hauptabnehmer der Bananen sind jedoch nicht – wie erwartet – die Affen, sondern die Flughunde im Alfred-Brehm-Haus. Der hohe Fruchtzuckeranteil der importierten Bananen ist nicht gut für den Affenkörper. Für Eishockeyspieler wie auch für die Tiere des Tierparks gilt: Eine ausgewogene Ernährung ist das Wichtigste.

Einigen wir uns auf Unentschieden?

Viele Tiere aus dem Tierpark könnten das Team des DEL-Rekordmeisters durchaus gut ergänzen. Auch wenn die Eisbären Berlin derzeit keine sportliche Unterstützung benötigen – der Tierpark Berlin steht bereit. Und so heißt es vielleicht bald: Elefant Tembo steht im Tor und passt zu Florian Busch, der schiebt den Puck zum sprintenden Gepard. Vor dem Tor passt er zu Micki Dupont, der die Scheibe locker flockig einschiebt. Sieg für die „Eisbären Tierpark Berlin“.

Das Fazit unseres Fakten-Checks: Ein klares Unentschieden. Ein tolles Eishockeyteam trifft auf einen großartigen Tierpark. Ein bärenstarkes Dream-Team und ein doppelter Gewinn für die Hauptstadt. Die Eisbären Berlin und der Tierpark Berlin.

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