Schritt für Schritt zum Regenwald

Hinter den Kulissen einer Bauplanung

Das größte Bauprojekt im Tierpark ist aktuell der Umbau des denkmalgeschützten Alfred-Brehm-Hauses, das 1963 gebaut wurde und jetzt in ein modernes Regenwaldhaus verwandelt werden soll. Nach dem Umbau werden die Besucher dort einen neuen Einblick in die Lebensräume von Dschungeltieren bekommen.

Das Bauen im Bestand ist grundsätzlich immer anspruchsvoller und kostet alle Beteiligten mehr Zeit und Nerven als ein Neubau - vor allem, wenn das Gebäude oder Teile davon unter Denkmalschutz stehen. Um eine bessere Vorstellung von den komplexen Abläufen eines solchen Bauprojektes zu bekommen, haben wir bei der Technikabteilung nachgefragt, die uns das Vorgehen für die Planung des Alfred-Brehm-Hauses in vier Schritten zusammengefasst und erklärt hat. 

1.    Die Bedarfsplanung mit dem Bauherr
Ganz zu Beginn klärt der Bauherr – in diesem Fall Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem – mit der Leitung der Technikabteilung zunächst die genaue Aufgabenstellung. Dabei werden erste Zeitpläne und grobe Budgets skizziert und auch die Finanzierung muss geklärt werden. Da im Tierpark das nötige Geld für ein solches Mamut Projekt nicht vorhanden war, mussten für den Umbau des Alfred-Brehm-Hauses erst finanzielle Mittel durch einen Fördermittelantrag eingeworben werden. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden anschließend zusammengefasst, dokumentiert und es wird eine Bedarfsübersicht erstellt, welche dann von den Fördermittelgebern geprüft und im besten Fall problemlos genehmigt wird. Der Umbau des Alfred-Brehm-Hauses wird aus diversen Budgets finanziert: Den größten Anteil trägt die Lottostiftung mit ca. 3,6 Mio. Euro, auch das Land beteiligt sich in Höhe von 2,2 Mio. Euro. Zudem unterstützt die Gemeinschaft der Förderer von Zoo und Tierpark Berlin das Projekt mit 475.000 Euro.

2.    Das Planungsteam wird zusammengestellt

Im zweiten Schritt werden die externen Planungspartner bestimmt. Dazu müssen geeignete Firmen und Kandidaten recherchiert, Angebote eingeholt und schließlich Honorarverträge abgeschlossen werden. Da der Tierpark für den Umbau des Alfred-Brehm-Hauses Fördermittel verwendet, müssen Planungsleistungen immer nach geltenden Vergabevorschriften ausgeschrieben werden und in der Regel mindestens drei Angebote miteinander verglichen werden. Ab einer Honorarsumme von 221.000 Euro netto, muss die Ausschreibung sogar EU-weit erfolgen.

3.    Die Planungsphase beginnt
Die umfangreiche Planungsphase kann in sechs Einzelschritte unterteilt werden:

1.    Grundlagenermittlung
Hierbei findet eine Ortsbesichtigung mit Sichtung von Bestandsunterlagen wie Baupläne, Baubeschreibungen, bestehende Genehmigungen usw. statt. Doch bei einem so alten Gebäude wie dem Alfred-Brehm-Haus sind solche wichtigen Unterlagen selten in zufriedenstellendem Umfang vorhanden. Die genaue Aufgabenstellung wird dann auf Grundlage der Bedarfsübersicht geklärt. Außerdem wird geklärt: Brauchen wir Fachplaner für Elektro, Heizung-Sanitär-Lüftung und Brandschutz?

2.    Vorplanung
Die ermittelten Grundlagen werden hier analysiert und Zielvorstellungen miteinander abgestimmt. Auf dieser Basis werden die Vorplanungen erarbeitet, dazu gehören beispielsweise auch maßstabsgetreue Zeichnungen.
Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Vorplanung ist zu klären, inwieweit das Projekt andere Interessengruppen betrifft. Berücksichtigt werden hierbei nicht nur bauphysikalische, funktionale und technische Aspekte, sondern auch städtebauliche, gestalterische, wirtschaftliche, ökologische, energiewirtschaftliche, soziale und öffentlich-rechtliche Belange werden betrachtet. Dann starten die Vorverhandlungen mit Behörden über die Genehmigungsfähigkeit. Hier arbeiten die Planer vor allem mit dem Bauamt, dem Denkmalamt und dem Brandschutz zusammen. Hier ist es die Aufgabe der Planer, einen gemeinsamen Nenner zu finden, der alle Anforderungen bestmöglich befriedigt. Im Anschluss an diese Recherchen und Verhandlungen findet eine konkretere Kostenschätzung statt und es wird ein Terminplan mit den wesentlichen Vorgängen des Planungs- und Bauablaufes erstellt.
Bei öffentlich geförderten Projekten wie dem Alfred-Brehm-Haus muss eine Vorplanungsunterlage erstellt und an die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen zur Prüfung eingereicht werden.

3.    Entwurfsplanung
Bei der Entwurfsplanung werden die ersten Zeichnungen aus der Vorplanung angepasst und weiterentwickelt. Es wird außerdem eine genaue Objektbeschreibung angefertigt und mit den Behörden (Bauamt, Denkmalamt, Brandschutz…) wird im Detail über die Genehmigungsfähigkeit einzelner Aspekte wie Farben, Materialien und Sichtbarkeit historische Elemente verhandelt. Die vorläufige Kostenschätzung wird durch eine konkrete Kostenberechnung ersetzt und der Terminplan wird weiter ausgearbeitet und verfeinert.

4.    Genehmigungsplanung
In diesem Schritt werden die Vorlagen und Nachweise für die öffentlich-rechtlichen Genehmigungen erarbeitet und zusammengetragen. Außerdem wird nun endlich der eigentliche Bauantrag an das Bauamt gestellt. Bei öffentlich geförderten Projekten, wie dem Alfred-Brehm-Haus, muss außerdem noch eine Bauplanungsunterlage (BPU) erstellt und zur Prüfung bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen eingereicht werden. Dieser Vorgang allein kann bis zu 6 Monate dauern.

5.    Ausführungsplanung
Für die Ausführungsplanung müssen alle Angaben, die für die genaue Umsetzung der Planungen nötig sind zeichnerisch und textlich festgehalten werden.
Auch während dieses Schrittes wird der Terminplan laufend aktualisiert und konkretisiert. Wenn sich bei oder nach diesem schon sehr konkreten Schritt etwas ändert, verursacht das eine deutlich größere zeitliche Verzögerung und oft auch höhere Kosten, als Änderungen in der Vorplanung.

6.    Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen
Zunächst wird ein Terminplan für alle Vergabetermine erstellt und die zu erbringenden Leistungen werden genau beschrieben. Anhand dieser Leistungsbeschreibungen werden die konkret anfallenden Kosten ermittelt und Angebote von Baufirmen eingeholt. Hier sind ebenfalls die geltenden Vergaberichtlinien für öffentlich geförderte Bauvorhaben einzuhalten. Nachdem sich unterschiedliche Firmen um die Aufträge beworben haben, werden die eingegangenen Angebote sorgfältig geprüft und ggf. sogenannte „Bietergespräche“ mit den Bewerbern geführt. Bei diesen „Vorstellungsgesprächen“ sind der Bauherr und der Architekt sowie die Projektsteuerung anwesend. Auf Grundlage dieser Bewerbungsgespräche werden Vorschläge für die Vergabe der Aufträge gemacht und wenn diese durch den Bauherrn freigegeben sind, werden anschließend die notwendigen Verträge unterschrieben.

4.    Der Start der Bauphase
Viele Monate und sogar Jahre können schon mal vergehen, bis die Planungsphase abgeschlossen ist – je nachdem wie schnell Anträge bewilligt und wie oft Planungen geändert werden müssen.

1.    Überwachung der Bauarbeiten
Die wichtigste Aufgabe ist in dieser Phase sicherzustellen und zu überwachen, dass die Umsetzung aller Planungen genauesten ausgeführt wird. Hierfür ist der Architekt bzw. der Bauleiter zuständig. Dazu müssen zum einen alle, am Bau beteiligten Personen koordiniert werden – das heißt: Wer macht was wann und wo? Dabei muss der Terminplan genauestens eingehalten werden, um keine weiterführenden Verzögerungen nach sich zu ziehen. Gemeinsam mit den ausführenden Baufirmen wird das gesamte Gebäude mit all seinen Außenanlagen auf den Zentimeter genau vermessen. Während der Bauarbeiten muss der Architekt alle eingehenden Rechnungen prüfen und auch der Bauherr muss die Kosten stets im Auge behalten. Der Bauablauf wird außerdem akribisch in einem Bautagebuch festgehalten. Immer, wenn ein Bauabschnitt fertiggestellt ist, wird die Abnahme durch den durch den bauleitenden Architekten im Beisein der ausführenden Firma und des Bauherrn durchgeführt. Es wird kontrolliert, ob das tatsächlich Gebaute mit dem ursprünglich Geplanten übereinstimmt – von der Höhe eines Lichtschalters bis zur Funktion den Schleusen zwischen zwei Tigeranlagen.

2.    Dokumentation des Projekts
Ist der Umbau abgeschlossen ist die Arbeit jedoch noch nicht vorbei. Für die Dokumentation des Projektes müssen umfangreiche Unterlagen zusammengestellt werden, damit das erfolgreich abgeschlossene Projekt schließlich offiziell dem Bauherrn übergeben werden kann.
Anschließend wird das neue Gebäude auf eventuelle Mängel überprüft und die Beseitigung durch die ausführenden Baufirmen wird überwacht.

Bei öffentlich geförderten Projekten wie dem Alfred-Brehm-Haus müssen anschließend außerdem genaue Verwendungsnachweise über den ordnungsgemäßen Einsatz der Fördermittel erstellt und abgeliefert werden.

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Kommentare

13.12.2018Ursula Luft

Umbauten sind nötig, allein schon zum Wohl der Tiere.Aber wie ich vernommen habe, sollen nach dem Umbau des Dickhäuterhauses die Asiatischen Elefanten und die Seekühe nicht mehr zu sehen sein. Das ist sehr traurig weil ducrh die kommentierten Fütterungen den Tierparkbesuchern besonders die Asiatischen Elefanten sehr ans Herz gewachsen sind, ebenso die seltenen Seekühe. Würde mir übrigens auch mehr Info im Tierpark wünschen, zum Beispiel, was ist aus den beiden Kattakindern geworden???? Man könnte doch solche einfachen Hinweisschilder wie bei den Afrikanischen Elefanten und Pinguinen aufhängen. Als ständiger Besucher möchte man doch informiert werden wo die Lieblinge abgeblieben sind. Diese Hinweisschilder wären ohne große Kosten und Aufwand doch sicher möglich. Freundliche Grüße U.Luft

04.11.2018Astrid Nerlich

Ich war am Freitag, 01.11.2018 im Tierpark, um die Tiger-Babys zu sehen und zu fotografieren. Leider wußte ich nichts von den umfangreichen Baumaßnahmen. Die 4 Tiger, die man sehen konnte, waren wenigsten in der Anlage zu sehen. Meine Frage ist, wann wird die Anlage fertig sein und wird man dann die Tiger-Babys sehen?

30.07.2018Klehr,Renate

Mich würde nach diesen vorangegangenen Aussagen über die Planung und Durchführung des Umbaus Alfred-Brehm-Haus interessieren, wann mit der Fertigstellung zu rechnen wäre und wir wieder Tiere dort bestaunen könnten. Bei dem Panda-Vorhaben im Zoo waren Zeiträume ja kein Problem! MfG R.Klehr

30.07.2018Wilfried Lieder

Das ist schon o.k. so ! Und wer sich schon mal mit der Realisierung irgendwelcher Bauprojekte beschäftigt hat, versteht warum es so ist - wie es ist. Das Ergebnis zu nachlässiger Planung kann man sich beim BER ansehen. Das will ja wohl keiner für den Tierpark haben

27.07.2018Antje Mandsfeld

Konnte ich trotz Brille nicht richtig lesen oder gab es eine Veränderung? Jedenfalls bin ich ganz glücklich, jetzt zu lesen, dass die Binturongs uns erhalten bleiben. Sehr schön!

27.07.2018Antje Mandsfeld

Ich freue mich sehr über die vielen Veränderungen im Tierpark in den letzten Jahren. Nun bin ich neugierig auf das umgebaute Alfred-Brehm-Haus. Besonders freue ich mich für die Malaienbären. Aber müssen wir dann auf die Binturongs verzichten? Sie gehören doch auch in den asiatischen Regenwald? Ich würde sie sehr, sehr vermissen!!!

27.07.2018Tamara

Bin schon sehr gespannt! Der Tierpark begleitet mich seit meiner Geburt. Viele. schöne Stunden habe ich hier verbracht. Inzwischen nun auch mit den Enkeln. Besitze von meinem Vater einen Schmalfilm von der Eröffnung des Tierparks. Seit dem hat sich ja Einiges verändert *schmunzel*

27.07.2018Sabine Liebner

Hallochen, zunächst einmal ein Riesenlob an die Leitung von Tierpark (und Zoo). Ich bin im östlichen Teil von Berlin groß geworden, von daher stehe ich dem Tierpark emotional näher. Viele schöne Kindheits- (und auch Erwachsenen-) Erinnerungen verbinde ich mit diesem Ort und habe diese auch später meinen eigenen Kindern und jetzt meinem Enkel nahegebracht. Zuerst war ich sehr (SEHR) skeptisch als der Nachfolger von Dr. Blaszkiewicz aus dem Westen kam. Ich hatte die Befürchtung, dass dieser sich nur um das Renommee des Zoos kümmern würde, und dass der Tierpark nur so nebenher laufen würde. Ich habe mich geirrt. Asche auf mein Haupt, wegen gelebten Vorurteils. Zum Beispiel bin ich richtig begeistert gewesen, als der vormalige Hausgeflügelteich im Kinderzoo wieder in eine Plantsche umgewandelt wurde, wie ich es aus meiner eigenen Kinderzeit in Erinnerung habe. Und ich freue mich darauf, die neue südostasiatische Regenwaldlandschaft mit meinen Enkeln zu erobern. Ich wünsche allen an dem Projekt beteiligten Mitarbeitern viel Freude an ihrer Arbeit. Und um vielleicht den Kommentar meiner Vorrednerin aufzugreifen. Es gibt auch eine hochbedrohte kleine Anzahl von Asiatischen (Indischen) Löwen, mit deren arterhaltender Zucht der Tierpark große Erfahrungen gesammelt hat. Vielleicht wäre es möglich, auch dieser Art wieder einen Raum und Chance zu geben zu überleben. Mit herzlichen Grüßen Sabine Liebner

27.07.2018Ulrike Grothe

Das klingt ja schonmal sehr schön :) Aber was passiert mit den Löwen, gibt es dann keine mehr im Tierpark, oder bekommen die woanders ein neues Gehege?