Aufgaben des Zoos
Die Aufgaben, die sich die Zoos unserer Zeit stellen, sind vielseitig. Und es gibt mehr als einen Grund, Tiere zu halten. Seit 1844 können sich die Besucher im Berliner Zoologischen Garten erholen und bilden. Heute liegt der Zoo vergleichbar einer belebten, grünen Oase direkt im Zentrum der Stadt. Hier kann man sich entspannen und den eigenen Interessen entsprechend zu unterschiedlichsten zoologischen Themen Informationen und Wissen sammeln.
In naturnaher Umgebung lassen sich Tiere verschiedener Herkunft und Gestalt aus nächster Nähe beobachten. Der Besucher wird auf Bemerkenswertes hingewiesen und erhält Anregungen zum Beobachten. Im Zoo können Menschen jeden Alters unbekannte Lebewesen kennen lernen. Das wiederum kommt auch den Tieren in freier Wildbahn zugute, denn nur Bekanntes ist mensch auch bereit zu schützen.
Neben der reinen Vermittlung des Naturschutzgedankens unterstützt der Berliner Zoo mit der finanziellen Hilfe seiner Besucher auch den Naturschutz in den Heimatländern vieler Tiere.
WWF-Projekte
In Deutschland wurden in Zusammenarbeit mit dem WWF (World Wide Fund for Nature) verschiedene Projekte durchgeführt. Erwähnenswert sind die Bemühungen um den Internationalpark Unteres Odertal, bei dem es sich um eine der letzten Flussauenlandschaften Mitteleuropas handelt, die alljährlich von weit über 100.000 Gänsen und Enten als Überwinterungsplatz genutzt wird. Weitere Projekte waren z. B. die Wiedervernässung von Moorgebieten in Norddeutschland und der Ankauf von Flächen zum Schutz der sehr seltenen Brutvorkommen des Schwarzstorchs.
In-situ-Naturschutzaktivitäten
Seit einigen Jahren führt der Berliner Zoo auch mit anderen Organisationen Naturschutzaktivitäten vor Ort - in situ - durch. Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e. V. in München ist der Partner bei Aktivitäten auf den Philippinen. Die Finanzierung eines Projektes zur Untersuchung der Verbreitungsgebiete der bedrohten Prinz-Alfred-Hirsche stand am Anfang der Bemühungen. Auch die Finanzierung eines Aufklärungsposters zum Schutz asiatischer Schweine wurde vom Zoo übernommen. Seit 1994 finanziert der Berliner Zoo maßgeblich die Rettungsmaßnahmen für die bedrohten Borkenratten auf den Philippinen. Dank der Spenden durch Zoobesucher konnten Forschungsgehege an der West Visayas State Universität gebaut werden, die der Aufnahme beschlagnahmter Tiere dienen. Auch einheimische Biologen, die vor Ort Untersuchungen über die Lebensgewohnheiten der Borkenratten durchführen, werden hiervon bezahlt
Naturschutz auf Madagaskar
Ein weiteres Betätigungsfeld im in situ Naturschutz ist Madagaskar. Der Berliner Zoo unterzeichnete 1995 einen Partnerschaftsvertrag mit dem Zoo Tsimbazaza in Antanarivo, der Hauptstadt Madagaskars. In gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit wird versucht, die Biologie von Schleichkatzen und anderen kleinen Säugetieren zu erforschen und die Haltungs- und Pflegebedingungen zu optimieren. 1996 wurden die ersten Ringelschwanzmungos importiert und 1997 das erste Paar Schmalstreifenmungos. Beide Arten konnten mittlerweile mehrfach in Berlin gezüchtet werden. 1999 reiste der erste hier geborene Schmalstreifenmungo zurück nach Madagaskar.
Erhaltung bedrohter Tierarten
Die Haltung vieler weiterer Tierarten im Berliner Zoo ist unmittelbar mit Naturschutzarbeit in der Heimat der Tiere verbunden. Hervorzuheben sind die Maßnahmen zur Bestandssicherung der stark von der Ausrottung bedrohten Okapis, im afrikanischen Urwald beheimateter Kurzhalsgiraffen, und die Unterstützung von Naturschutzprojekten in den Bambuswäldern Chinas, die der Erhaltung des Lebensraums des Großen Pandabären dienen.
Zuchtbücher
Das Aufgabenfeld des Naturschutzes beinhaltet auch jene Arbeit, die zur Erhaltung von Tierarten in Menschenobhut beiträgt. Ein erster Schritt für das internationale Management von Tierpopulationen war die Einrichtung von Zuchtbüchern. 1923 wurde mit dem Zuchtbuch für den europäischen Wisent das erste derartige Tierverzeichnis angelegt. Seit 1966 werden in Berlin die Daten der beiden afrikanischen Nashornarten und des Gaurs, eines asiatischen Wildrindes, gesammelt. Der Zuchtbuchführer koordiniert die Weitergabe von Tieren zum Erhalt der Vielseitigkeit des Erbgutes in der Population. Zuchtbücher können auch Empfehlungen zur Verbesserung von Haltungsbedingungen enthalten.
Europäische Erhaltungszuchtprogramme
Seit 1985 gibt es neben den Zuchtbüchern so genannte europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEPs). Sie regeln die Zuchtbemühungen innerhalb der europäischen Teilpopulationen einiger besonders bedrohter Tierarten. Der Berliner Zoo betreute viele Jahre lang die EEPs für das Spitzmaulnashorn und den Gaur und beteiligt sich erfolgreich an zahlreichen weiteren EEPs. Manche im Berliner Zoo gehaltene Tierart konnte nach Jahren intensiver Pflege in Menschenobhut wieder ausgwildert werden.

- Tierklinik des Zoos
Forschung
Neben diesen besonders schönen Erfolgen muss man sich vergegenwärtigen, dass jede Tierhaltung auch dem Erkenntnisgewinn auf wissenschaftlicher Ebene dient. Der Wissenschaftszweig der Tiergartenbiologie widmet sich insbesondere der Erforschung artgemäßer Haltungsfaktoren. Biologisches und tiermedizinisches Wissen sind heute das Fundament erfolgreicher Wildtierhaltung, dem es zu verdanken ist, dass in vielen Fällen die Lebenserwartung und die Fortpflanzungsrate von Zootieren größer sind als in freier Wildbahn. Der Berliner Zoo arbeitet auf wissenschaftlichem Gebiet eng mit einer Vielzahl von Universitäten, Forschungseinrichtungen und natürlich anderen Zoologischen Gärten und Tierparks zusammen.










