„Fatou“ feiert Geburtstag
Die älteste Gorilladame Europas vollendet ihr 55. Lebensjahr!
Auch wenn ihr exakter Geburtstermin nicht bekannt ist, so darf es nicht unterlassen werden, sich an die Geburt des zweitältesten Gorillas der Welt ‒ irgendwann im April 1957 in Westafrika ‒ zu besinnen. Schon früh war das weibliche Affenkind in Menschenhände gelangt und von einem französischen Matrosen nach Marseille gebracht worden. Über die Besitzerin einer Hafenkneipe gelangte das damals knapp 10 kg schwere Gorillamädchen im Mai 1959 in den Berliner Zoo. Dort brachte sie am 30. Oktober 1974 den ersten in Berlin gezüchteten Gorillanachwuchs zur Welt. Obwohl sie selbst früh von ihrer eigenen Mutter getrennt worden war, zog sie ihr Jungtier, das den Namen „Dufte“ erhielt, fürsorglich auf. Es sollte allerdings ihr einziges Kind bleiben. Im Laufe ihres extrem langen Lebens lernte „Fatou“ verschiedene Gorillamännchen kennen und wurde im Juli 1985 durch die Geburt ihrer Enkeltochter „Mpenzi“ auch Großmutter. Zuletzt lebte sie gemeinsam mit „Gigi“, die etwas jünger war als sie selbst, aber bereits vor drei Jahren altersbedingt starb. Seitdem erfreut sich „Fatou“ am Kontakt mit den Tierpflegern, die Gesellschaft mit jüngeren Gorillas ist allerdings nichts mehr für sie.
In ihrer westafrikanischen Heimat werden Flachlandgorillas selten älter als 35 Jahre. Der älteste in einem Zoo lebende Artgenosse ist „Colo“, der erste jemals in Menschenhand geborene Gorilla. Das ebenfalls weibliche Tier wurde 1956, nur vier Monate vor „Fatou“ in Columbus (Ohio) geboren.
In den Zoologischen Gärten Europas leben derzeit gut 400 Flachlandgorillas, in nordamerikanischen Zoos kommen etwa weitere 350 hinzu. Die Zucht der stark vor dem Aussterben bedrohten Menschenaffenart wird international koordiniert. Der dramatische Rückgang der Freilandbestände hat viele Gründe. Nach wie vor werden Gorillas illegal bejagt, zudem setzt ein fieberauslösendes, oft tödliches Ebola-Virus vielerorts den Tieren zu, und zuletzt ist es die Vernichtung ihres Lebensraumes, die den ohnehin reproduktionsschwachen Menschenaffen zu schaffen macht.
Dr. Ragnar Kühne
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