Wiederauswilderung von Orang-Utans auf Sumatra

Seit Anfang der 1970er-Jahre setzt sich die Zoologische Gesellschaft Frankfurt für die Wiederansiedlung von ehemals in Gefangenschaft gehaltenen Orang-Utans auf Sumatra ein. Die Zoo Stiftung und der Zoo Berlin unterstützen dieses Projekt finanziell.

Geld wird z. B. für eine Überwachung der Orang-Utans auch nach ihrer Freilassung gebraucht. Diese Begleitung sichert den sanften und erfolgreichen Übergang von der Dschungelschule in den Tieflandregenwald Sumatras. Die jetzt auf sich alleine gestellten Tiere werden täglich von Orang-Utan-Scouts beobachtet und im Notfall betreut. Die Stiftung finanziert die Jahresgehälter von zwei Scouts sowie deren Ausrüstung. Außerdem werden mit Mitteln der Stiftung 13 Telemetriesender gekauft, mit deren Hilfe die Orang-Utans anhand der Funksignale geortet werden können.

Freiheit für die Orang-Utans

Orang-Utans die Freiheit schenken – es klingt so einfach. Dahinter steckt jedoch ein langer, einfühlsamer Prozess des Gewöhnens und Lernens in der Dschungelschule. Erst dann ist der Zeitpunkt gekommen, einen Orang-Utan in die Wildnis zu entlassen. Ort des Geschehens ist die Station der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) am Rande des Nationalparks Bukit Tigapuluh auf Sumatra in Indonesien.

Auf etwa 14.000 Individuen wird der Wildbestand des Sumatra-Orang-Utans aktuell geschätzt, leider mit rapide abnehmender Tendenz. Das bedeutet, dass jeder verbleibende Orang-Utan für das Überleben dieser Tierart auf der Erde eine außerordentlich hohe Bedeutung hat: als Träger seltener Gene und als potenzieller Fortpflanzungspartner.

Seit vielen Jahren schon ist es in Indonesien gesetzlich verboten, Orang-Utans privat zu halten. Tatsache ist jedoch, dass Orang-Utan-Babys nach wie vor ganz leicht zu bekommen sind. Für den Händler bedeutet dies viel Geld, für den Käufer angenehme Gesellschaft oder einen netten Spielkameraden für die Kinder. Für das Orang-Utan-Baby aber ist es ein Trauma! Der Nähe der Mutter und ihres Schutzes beraubt, findet es sich nur allzu oft in einem Hinterhof wieder: ein Leben in Käfigen und an Ketten.

Doch es gibt Hoffnung für ein neues, selbstständiges Leben in Freiheit: Werden die Tiere gefunden und beschlagnahmt, dann nehmen sich die ZGF und ihre Schweizer Partnerorganisation PanEco dieser traumatisierten Orang-Utans an. Nach einer mehrmonatigen Quarantäne in der Station von PanEco in Nordsumatra werden die Tiere an die Auswilderungsstationen der ZGF am Rande des Nationalparks Bukit Tigapuluh in Zentralsumatra gebracht. Dort kümmern sich Biologen, Tierärzte und viele Pfleger und Scouts um die Tiere und bereiten sie geduldig auf ein neues Leben in Freiheit vor. Mehr als 170 Tiere hat die ZGF seit dem Beginn des Programms 2002 in Bukit Tigapuluh wieder ausgewildert. Mehrere Freilandgeburten lassen uns hoffen, dass die Population in Bukit Tigapuluh auch natürlicherweise langsam anwächst.

Leben und Lernen in der Orang-Utan-Dschungelschule

Ist ein Orang-Utan-Baby in Gefangenschaft aufgewachsen, hatte es keine Chance, die grundlegenden Verhaltensweisen für ein Überleben in der Wildnis zu lernen. Schließlich bleiben freilebende junge Orang-Utans bis zu neun Jahren unter der Obhut ihrer Mutter und bekommen von ihr alles Notwendige gezeigt. In der Dschungelschule können sie einen Teil davon aber nachholen. Auf dem Stundenplan stehen:

Klettern: Orang-Utans sind für ein Leben in den Baumkronen des Urwalds geschaffen, aber die Kletterkünste sind nicht angeboren. Nach einem Leben in Gefangenschaft muss daher selbst das Klettern gelernt werden.

Nestbau: In der Wildnis bauen sich Orang-Utans ein Schlafnest. Jeden Abend aufs Neue. Wie das geht, lernen die Orang-Utans in der Dschungelschule.

Nahrung beschaffen: Was kann ich essen und wie komme ich da ran? Junge Blätter und Blüten schmecken gut und mit einem Stock kann man Früchte angeln. Die Lehrer kennen zudem Tricks und Kniffe, wie man dornige Schalen entfernt und an leckeres Fruchtfleisch gelangt. Und auch das will gelernt sein: Termiten aus ihrem Nest zu schlürfen.

Nachhaltiges Programm zum Schutz der Orang-Utans

Um den Orang-Utans eine langfristige Perspektive zu bieten, ist der Schutz ihres Lebensraums ein wesentlicher Bestandteil des Projektes, das somit auf drei Ebenen ansetzt:

  • Rettung bedrohter Individuen
  • Aufbau einer überlebensfähigen Population
  • Schutz des Lebensraums

Unser Partner für dieses Projekt

Zoologische Gesellschaft Frankfurt

Die ZGF ist eine international agierende Naturschutzorganisation mit Sitz in Frankfurt. Gegründet von Prof. Bernhard Grzimek, engagiert sich die ZGF heute für die Erhaltung von Wildnis und biologischer Vielfalt in den letzten großen Wildnisgebieten unserer Erde.

Website: www.zgf.de