Keine Zeit für Langeweile ...

Tierbeschäftigung im Zoo und Tierpark Berlin

Gorilla-Dame Djambala lässt nicht locker – mit viel Geschick schiebt sie die Erdnuss mit einem dünnen Stöckchen bis diese durch ein kleines Loch in die darunter liegende Ebene fällt. So arbeitet sie sich Stück für Stück voran, bis das Objekt der Begierde schließlich in ihrer großen Gorilla-Hand landet. So ein Futterautomat fordert einiges an Konzentration und Geschicklichkeit.

Ein Besuch im Zoologischen Garten: Für viele Kinder (und auch einige Erwachsene) gibt es kaum etwas Spannenderes als den Rufen der Siamangs zu lauschen, die Elefanten beim Sandduschen zu beobachten und das weiche Fell eines Schafs im Tierkinderzoo zu streicheln. Damit es aber auch für die Tiere im Zoo nicht langweilig wird müssen sich die Tierpfleger ganz schön ins Zeug legen.

Spiel, Spaß und Spannung

In freier Natur stellt die Nahrungssuche und -aufnahme den größten Teil des Tagesablaufs vieler Tierarten dar. Auch im Zoo werden die Tiere durch die Art der Futtergaben über längere Zeiträume beschäftigt: Das Zauberwort gegen Langeweile und für Fitness und Agilität lautet Behavioral Enrichment. Dabei wird die Nahrung nicht an einer Stelle vorgelegt, sondern an unterschiedlichen Stellen in mehreren kleinen Portionen angeboten. Die Tiere werden mental und physisch stimuliert, wodurch natürliches, gesundes Verhalten gefördert wird. In anderen Worten – Spaß und Kreativität sind gut für ihre Gesundheit.

Und wie schaut dieses Enrichment aus? Ob knifflige Futterautomaten bei den Menschenaffen, leckere Ketten aus Obst für die Galagos im Nachtierhaus, schmackhaft gefüllte Tannenzapfen für die Stachelschweine oder ein hängendes Gemüse-Mobile für Tapire oder Nashörner - das angebotenen Spielzeuge bereichern den Alltag der Tiere ungemein. Und der Kreativität der Tierpfleger sind hier keine Grenzen gesetzt ...

Tierische Akrobaten

Doch die Tierbeschäftigung ist auch für die Besucher ein tolles Erlebnis. Bei der täglich stattfindenden Show der Kalifornischen Seelöwen zeigen die Flossenträger Ihr ganzes Können. Die tollen Kunststücke bauen auf natürlichen Verhaltensweisen der Tiere auf, die Seelöwen werden nach jeder Übung mit kleinen Fischhappen bei Laune gehalten. Hier gibt es jedoch keinen Zwang: Das Training basiert allein auf der positiven Verstärkung, die die Tierpfleger ihren Schützlingen durch kleine Fisch-Belohnungen oder lobende Worte zukommen lässt.

Die äußerst lernfähigen kalifornischen Seelöwen lernen laufend Neues, Seelöwen-Dame Sandra kann sogar ganze 80 Tricks vorweisen. Die Bandbreite Ihrer Show reicht vom Sprung über das Boot bis hin zum Balancieren eines Balls auf der Schnauzenspitze.

Wie lang es dauert, bis so ein Trick sitzt, hängt sowohl von der Übung als auch von dem Tier selbst ab. Eine Rückwärtsrolle erlernen manche Tiere in 2 Wochen, andere brauchen dafür 2 ½ Monate. Sobald die Übungen und Tricks sitzen, werden sie wöchentlich abgerufen. Alleine in der täglich stattfindenden Seelöwenshow werden 35 – 40  Tricks vorgeführt.

Zum Abheben ...

Mit seinen bernsteinfarbenen Augen betrachtet der Europäische Uhu die Ränge der Freilichtbühne, ehe er zu einem nahezu geräuschlosen Flug über die Besucherköpfe ansetzt und mit einem eleganten Manöver auf der Bühne landet.

„Man schützt nur was man liebt - man liebt nur was man kennt.“

Dieser oft zitierte Satz bringt den Grundgedanken auf den Punkt. Bildung ist eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Gesellschaft für das Thema Artenschutz zu sensibilisieren. Bei unseren gefiederten Freunden im Tierpark können die Besucher Umweltbildung hautnah miterleben. Täglich haben die erfahrenen Falkner mit Geier, Uhu & Co geprobt, bevor ihre Schützlinge das Erlernte einem größeren Publikum vorstellt wurden. In der eindrucksvollen Flugshow zeigen Greifvögel und Eulen wie lernfähig und intelligent sie sind, während das Publikum viel über das Verhalten der Tiere erfährt.

Auf Pfiff geht`s los

Voller Konzentration folgt Bonobo-Dame Opala den Anweisungen von Tierpfleger Ruben Gralki –steckt ihm die Hand entgegen, lässt sich den Bauch abtasten und zeigt ihm ihre blanken Bonobo-Zähne.

Bei Tierpfleger Ruben Gralki tanzen seine Schützlinge im wahrsten Sinne des Wortes nach seiner Pfeife. Seit vielen Jahren wendet das Team aus erfahrenen Tierpflegern bei den Berliner Menschenaffen eine etablierte Trainingsmethode an. Beim sogenannten Klickertraining werden den Tieren mit Hilfe einer Pfeife oder eines kleinen Klickers und einer darauf folgenden Belohnung zahlreiche Kommandos beigebracht.

Bonobos bekommen beispielsweise das Kommando aufrichten und still stehen beigebracht -  der Tierarzt hat dann die Möglichkeit das Herz und die Lunge abzuhören. Auf ein anderes Kommando lässt der Bonobo seine Zähne untersuchen oder seine Körpertemperatur messen. Die Trainingseinheiten sind bei den Tieren sogar so begehrt, dass sie sich vordrängeln sobald sich der Trainer mit seinen Utensilien ankündigt.

Neben der Bildung und dem Artenschutz ist Forschung ein wichtiger Grundpfeiler moderner, wissenschaftlich geführter Zoos. Die erlernten Kommandos machen beispielsweise eine stressfreie medizinische Untersuchung der Tiere möglich. Das Klickertraining vereinfacht jedoch nicht nur den Umgang mit den Tieren, sondern bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich: Das Training bietet auch die Möglichkeit neue Methoden der Verhaltensbeobachtungen durchzuführen. Die Forschung an Zootieren kann einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz liefern und somit Ihren Artgenossen in freier Wildbahn zugutekommen.

Die Berliner Bonobos sind mit viel Elan dabei. Das sieht doch nach Nobelpreis aus, oder?

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zoos.media 26. Februar 2017
Sehr gelungener Artikel und bewundernswerte Arbeit - solche Enrichments und (medical) Training dienen dem Wohlbefinden der Tiere. Großes Lob :-)