Projekt Pinselohr

Codeknackerin auf Samtpfoten

Unsere Altai-Luchs-Katze Kiska hat eine wichtige Mission. Seit dem 7. Juli testet sie ein neues GPS- Halsband, das auch für Luchsstudien in freier Wildbahn zum Einsatz kommt. Damit ist sie den Wissenschaftlern des Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung  (IZW) (www.leibniz-izw.de) eine riesige Hilfe beim Schutz dieser bedrohten Art.

SmartWear für die Katze

Die cleveren Halsbänder sind bei Wildbiologen sehr beliebt! Das Team um Dr. Anne Berger (IZW) hat bereits einige Luchse in ihrem natürlichen Lebensraum in der Türkei mit diesem Accessoire ausgestattet. Die modernen GPS-Halsbänder zeichnen nicht nur das GPS-Signal zur Ortung auf, sondern haben auch einen Beschleunigungssensor eingebaut. Dieses Halsband verrät den Forschern also nicht nur den Aufenthaltsort eines Tieres, sondern zeichnet außerdem auch Daten auf, die Auskunft über das Verhalten der Tiere geben können. Doch die Sache hat einen Haken…

Ein Fall für Kryptoanalytiker

Die Beschleunigungssensoren zeichnen den gesamten Bewegungsablauf des Tieres auf – allerdings in Datenmustern kodiert! „Die Daten aus dem Freiland könnten jedoch sehr viel mehr Informationen liefern, wenn man sie nur richtig auswerten könnte“, erklärt Dr. Florian Sicks, Kurator für Säugetiere im Tierpark Berlin. „Wir könnten im Prinzip damit aus der Ferne feststellen, ob die Raubkatze gerade läuft, sitzt, springt, frisst oder schläft.“

Dem Geheimnis auf der Spur

Um die aufgezeichneten Muster den einzelnen Verhaltensweisen zuordnen zu können, muss man wissen, welches Verhalten mit welchem gesendeten Datenmuster der Beschleunigungssensoren einhergeht.  Eine echte Herausforderung! Der Grund: In freier Wildbahn bekommt man einen Luchs so gut wie nie zu Gesicht und kann ihn erst recht nicht über längere Zeit hinweg beobachten ohne ihn in seinem Verhalten zu stören. Eine vergleichende Studie im natürlichen Lebensraum fällt damit flach! Und genau hier kommt unsere „Codeknackerin“ Kiska ins Spiel! Sie soll den Schlüssel zu den bisher unerforschten Zahlreihen liefern. Und das geht so: Halsband tragen, laufen, sitzen, springen, klettern, fressen – und sich dabei von den Wissenschaftlern des IZW ganz nebenbei beobachten lassen. Für genau diese Art der Forschung sind Zoologische Gärten wie geschaffen. Denn ihre Aufgaben sind neben Natur- und Artenschutz, Bildung und Erholung auch die Förderung der Forschung.

Des Rätsels tierische Lösung

Seit Kiska nun ihren smarten Halsschmuck trägt, haben die Forscher die einmalige Gelegenheit,  einen Luchs bei seinen Alltagsgewohnheiten zu beobachten und mit den zeitgleich aufgenommenen Daten des Sensors zu vergleichen. Kiska sei Dank können sie dann auch die Daten der wilden Luchse einem ganz bestimmten Verhalten zuordnen und wissen nun nicht nur, wo das Tier sich gerade befindet sondern auch, was es an diesem Ort macht. Wer weiß, vielleicht wird Artenschutz-Heldin Kiska eines Tages ein Denkmal gesetzt für Ihren Beitrag zur Rettung der Luchse…

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Brigitte Grötzinger 26. Oktober 2016
Ein sicher sehr hilfreiches Projekt!
Aber sind solche Halsbänder nicht gefährlich, schließlich könnten sich die Tiere im Gebüsch verheddern? Bei Hauskatzen wird auch vor Halsbändern,
die sich in diesem Fall öffnen würden, gewarnt.
In der Wildtierforschung wird ja oft mit solchen Halsbändern gearbeitet. Funktioniert das Öffnen der Halsbänder bei größeren und schwereren Tieren im Notfall problemlos?